Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt
16. August 2020

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt


Passage:

Sprüche 16,9

Dienstart:

Ein Sprichwort heisst: «Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.» Und ich glaube, wir alle haben in den letzten Monaten auf unterschiedlichste Weise genau das erfahren. Wer hätte Anfang Jahr gedacht, was da mit Corona alles auf uns zu kommt? Hätte damals uns jemand all das vorausgesagt, wir hätten ihn wohl als Spinner bezeichnet. Und wir sind wohl alle etwas vorsichtiger geworden mit unseren Erwartungen, was die Zukunft noch bringen wird. Vor einem Jahr hätte ich gesagt: Im Herbst machen wir Ferien in Italien. Dieses Jahr sage ich: Falls alles klappt, dann würden wir gerne im Herbst Ferien in Italien machen.

Doch so sehr für uns alle die Situation rund um Corona grad ziemlich Neuland ist, so ist diese grundsätzliche Erfahrung, dass es anders kommt, als man im Voraus gedacht hatte, ja nichts Neues.

Es gibt ein Zitat, das wird dem französischen Physiker, Mathematiker und christliche Philosoph Blaise Pascal zugeschrieben. Es lautet:

«Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von deinen Plänen!»

Das ist vielleicht grad ein wenig hart ausgedrückt. Ich glaube nicht, dass Gott uns wegen dem, was wir uns vornehmen, was wir planen, einfach auslacht. Sicher muss er manchmal schmunzeln. Aber manchmal ist er wohl auch enttäuscht, wenn Menschen Pläne so ganz ohne ihn machen. Und ich glaube, es gibt Pläne, die auch Gott durchaus gefallen. 

Da hat es der weise König Salomo in der Bibel, im Buch der Sprüche etwas ausgewogener formuliert. Er schreibt im Kapitel 16, Vers 9:

  • «Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg;
    aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.»

Wir Menschen machen uns Pläne, aber Gott hat, indem er unsere Wege lenkt, da doch einiges mitzureden. Nun kann man sich das ja so vorstellen, wie eine Marionette, die an Fäden hängt und so oder so immer nur machen kann, was der Puppenspieler will. Aber wenn ich die ganze Bibel lese, dann glaube ich nicht, dass das hier so gemeint ist. Gott lenkt nicht, indem er quasi an Fäden zieht und jeden Schritt für uns macht – ob wir wollen oder nicht. Es ist viel mehr so, dass Gott uns lenkt, indem er mal Türen öffnet, mal welche verschliesst, indem er uns Hinweise gibt, welchen Weg wir gehen sollen, oder uns Menschen an die Seite stellt, als lebendige Wegweiser. Und natürlich gibt es auch Situationen, die Gott so kommen lässt wie er es will. Aber es gibt eben auch Situationen, welche er so nicht will, die er aber zulässt, weil er uns Menschen ja auch Freiheit gegeben hat, Entscheidungen zu treffen. Doch leider treffen nicht immer alle Menschen gute Entscheidungen – und so hat manche schlechte Entscheidung auch für andere, unschuldige Menschen harte Konsequenzen. Und das alles führt mitunter dazu, dass Pläne, die wir Menschen uns machen, oft nicht so herauskommen, wie gedacht.

Ich glaube, Gott will uns immer wider und auf ganz unterschiedliche Weise zeigen, welche Wege er für uns vorbereitet hat. Doch teilweise lässt er uns die Wahl, ob wir diesen Weg einschlagen wollen, oder nicht. Und die Erfahrung zeigt uns, dass längst nicht alle Menschen bereit sind, diese Wege dann einzuschlagen.

Junge Menschen, so wie ihr beiden, die ihr euch heute konfirmieren lasst, machen sich naturgemäss oft Gedanken über ihr Leben, ihre Zukunft, über den Weg, den sie einschlagen wollen. Ihr habt euch zum Beispiel schon viele Gedanken darüber gemacht, welchen beruflichen Weg ihr gehen wollt. Dazu sehen wir dann in einem kurzen Video-Clip noch mehr. Ihr macht euch Pläne. Doch ihr habt selber schon gemerkt, dass sich manchmal die Pläne ändern und manchmal kommt es auch sonst anders, als geplant.

Doch wie gehen wir damit um, wenn es anders kommt, als wir es uns gedacht oder erhofft haben? Manchmal kommt es ja besser, als gedacht – wie im Anspiel vorhin am Schluss. Dann fällt es uns leichter, es anzunehmen. Aber was hilft, wenn es herausfordernd wird?

Für unsere beiden Konfirmanden habe ich ein kleines Notfall-Köfferchen zusammengestellt mit Dingen, die dann helfen können. Die schauen wir uns nun zusammen mal an.

Landkarte – Wegweisung

Da ist einmal eine Landkarte drin. Sie steht symbolisch für Wegweisung. Wenn es anders kommt, als wir es uns vorgestellt haben, dann wirft das oft die Frage auf: Wie soll es nun weiter gehen? Bleibe ich auf dem eingeschlagenen Weg oder wäre der andere Weg der bessere?

Im Psalm 86 ruft König David zu Gott, dem Herrn, mitten in seiner Not. Er klagt: Ich bin elend und arm. Irgend etwas ist schief gelaufen, wenn ein König ausruft, dass er arm und elend ist. Was genau wissen wir nicht. Aber dann bittet David:

  • «Weise mir deinen Weg, Herr! Ich möchte in Treue zu dir mein Leben führen.
    Richte mein Herz auf eines aus: deinem Namen in Ehrfurcht zu begegnen.»

Und offenbar hilft diese Bitte, denn David fährt weiter:

  • «Ich will dir, Herr, mein Gott, von ganzem Herzen danken,
    deinen Namen möchte ich ehren für alle Zeit.
    Denn du hast mir deine Gnade so reich erwiesen
    und mein Leben den Tiefen des Totenreiches entrissen.» Psalm 86,11-13 (NGÜ)

Im Rückblick kann David sagen, dass Gott ihn den richtigen Weg geführt hat und ihn dadurch sogar vom Tod errettet hat.

Traubenzucker – Energie

Dann haben wir da Traubenzucker. Das ist klar, die liefern Energie, neue Kraft. Wenn es anders kommt, als erwartet, dann brauchen wir dafür oft Kraft. 

Natürlich haben wir Menschen ja selber Kraft – aber manchmal ist die am Ende. Und dann? Gott hat seinem Volk durch den Propheten Jesaja verheissen, dass er derjenige ist, der neue Kraft geben kann. In einer sehr schwierigen Situation, als es definitiv anders gekommen ist, als es die meisten Israeliten erwartet hatten, da sagt Jesaja im Auftrag von Gott zu ihnen:

  • «Den Erschöpften gibt er neue Kraft, und die Schwachen macht er stark. Selbst junge Menschen ermüden und werden kraftlos, starke Männer stolpern und brechen zusammen. Aber alle, die ihre Hoffnung auf den HERRN setzen, bekommen neue Kraft. Sie sind wie Adler, denen mächtige Schwingen wachsen. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und sind nicht erschöpft.» Jesaja 40,29-31 (HfA)

Das Volk hatte seine Hoffnung eben gerade nicht auf den Herrn gesetzt und musste nun erfahren, dass es anders kam, als erhofft. Doch Gott verheisst ihnen: Wer nun wieder seine Hoffnung auf Gott setzt, auf ihn vertraut – oder man kann auch sagen an ihn glaubt, und auf seinen Wegen geht, der wird neue Kraft bekommen. Wie bei einem Adler, der in der Mauser seine Federn verliert und ihm dann neue wachsen. Zwar fallen ihm nicht alle Federn auf einmal aus – dann könnte er ja gar nicht mehr fliegen – aber über mehrere Jahre hinweg werden die Federn erneuert und wenn die Mauser abgeschlossen ist, dann kann er wieder richtig schwungvoll auffliegen, mit neuer Kraft.

Pflaster – Heilung

Manchmal da kommt es nicht nur ein wenig anders, sondern da gibt es auch Verletzungen, durch Situationen oder durch andere Menschen. Manchmal werden wir auch verletzt durch die Fehler, die wir selber gemacht haben. Dann brauchen wir Heilung. Als Symbol dafür hier in paar Pflaster.

Als Jesus mit seinen Jüngern umher gezogen ist, da hat er viele Menschen ganz praktisch geheilt. Das war für die Betroffenen bestimmt eine sehr starke Erfahrung.

Aber noch viel wichtiger ist, dass Jesus kommen ist, um die Beziehung zwischen uns Menschen und Gott zu heilen. Im griechischen ist sein Titel «Soter». Das bedeutet Retter und Heiler. Jesus rettet Menschen. Das Ziel der Rettung ist die Freiheit. Er bringt aber auch das Heil, mit dem Ziel, dass Menschen wieder ganz werden, ebenso ihre Beziehung zu Gott. 

Gott schafft Heil und Rettung. Das kann nur er. Nichts anderes, was uns Rettung verspricht, kann uns letztendlich retten. Das kann nur er. Das gilt gerade auch für Zeiten wie die aktuelle Corona-Krise.

Geduldsfäden – Geduld

Es geht nicht immer alles so schnell, wie wir es gerne hätten, Veränderung nicht, neue Kraft oder Heilung auch nicht. Und so droht uns manchmal der «Geduldsfaden» zu reissen. Dann brauchen wir Geduld. Und solche symbolischen Geduldsfäden habe ich euch auch ins Köfferli gepackt.

Jakobus schreibt in seinem Brief über die Geduld:

  • «Liebe Brüder, wenn in schwierigen Situationen euer Glaube geprüft wird, dann freut euch darüber. Denn wenn ihr euch darin bewährt, wächst eure Geduld. Und durch die Geduld werdet ihr bis zum Ende durchhalten, denn dann wird euer Glaube zur vollen Reife gelangen und vollkommen sein und nichts wird euch fehlen.» Jak 1,3-5

Es gibt Situationen, in denen wir Geduld brauchen. Aber Geduld ist nicht das eigentliche Ziel. Geduld ist eine Station auf dem Weg zum Ziel. Und dieses Ziel ist ein Glaube, der zur vollen Reife kommt.

Und das ist es, was ich euch beiden, aber auch uns allen hier wünsche, dass unser Glaube immer wieder wachsen kann und wir so mehr und mehr an Reife gewinnen.

Und gerade unerwartete und herausfordernde Situationen haben das Potential – wenn es uns gelingt sie richtig anzupacken – uns in unserem Wachstum weiter zu bringen. Deshalb wünsche ich uns nicht mehr solcher Situationen – davon gibt es schon genug, sondern, dass wir lernen gut mit ihnen umzugehen.

Amen.

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