Wenn Gott dich ruft

Datum: Sonntag, 24. April 2022 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext:

Wenn Gott dich ruft?

Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des Herrn unter den Bäumen im Garten. Und Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? (1 Mo 3,8f)

Was machst du, wenn Gott dich ruft?

Adam und Eva haben sich versteckt (vgl. 1 Mo 3,8), Mose erklärte, dass er nicht kann, was Gott von ihm will (vgl. 2 Mo 4,10) und Jona ist regelrecht geflohen (Jonah 1,3).

Und Du?

In einem Jugendgottesdienst wurde mir mal gesagt, dass unser Leben Sinn macht und wir uns an allem freuen können, wenn wir in unserer Berufung leben, aber alles schwer und antriebslos ist, wenn wir keine Berufung haben. Leider wurde mir nicht erklärt, was eine Berufung ist. Ich war entmutigt, wusste nicht, zu was mich Gott berufen hat und fragte mich, ob mein Leben jetzt bedeutungslos sei.

Berufen, um Gottes Vermögen zu verwalten

Da trat auch der mit den zwei Talent vor und sagte: Herr, zwei Talent hast du mir anvertraut; zwei Talent habe ich dazugewonnen. Da sagte sein Herr zu ihm: Recht so, du bist ein guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles will ich dich setzen. Geh ein in die Freude deines Herrn! (Mt 25,22f)

«Wenn Gott dich ruft» ist der Titel dieser fünften und letzten Predigt der Serie «Wir bauen mit Menschen».

Kurz möchte ich erklären, wie es dazu kam.
Fast jedes Jahr sind Platten von unserem Boden aufgebrochen, und immer wieder liessen wir sie flicken. Eigentlich müssten wir unbedingt den ganzen Boden neu machen, dann hätten wir einige Jahre Ruhe und würden auf die Länge Geld sparen. Gibt es noch anderes, das wir gleichzeitig tun sollten, um nicht doppelten Aufwand zu haben? Können wir unseren Saal etwas vergrössern? Gibt es eine Möglichkeit, unsere Säulen loszuwerden?

Mit solchen Fragen gelangten wir an Thom Harlacher, einem Immobilienexperten.
Zusammen mit Baubehörden und Vertretern einer lokalen Bank erstellte er eine Analyse unserer Liegenschaft und zeigte uns auf, dass wir einerseits keinen Spielraum mehr haben für Anbau oder Ausbau, und sich andererseits ein Neubau am gleichen Standort nicht lohnen würde. Der Marktwert von unserer Liegenschaft ist aber sehr viel höher, als wir dachten. Wenn wir unser Gebäude verkaufen, könnten wir für ca. 3 Millionen neu bauen, ohne dafür höheres Fremdkapital aufzunehmen. Wir sind reich beschenkt und freuen uns, wenn wir das Vermögen welches Gott uns anvertraut hat, gewinnbringend für sein Reich einsetzten können. Als Gemeindeleitung (GL) glauben wir, dass ein Neubau segensreich wäre. Wir hoffen eure Zustimmung dazu zu bekommen.
Uns war aber schon von Anfang an klar – viele Feedbacks von euch bestätigten uns darin, – dass es beim Gemeindebau nicht nur ums Geld geht und auch unsere Räumlichkeiten "nur" Mittel zum Zweck sind.

Es geht um Menschen und es geht um Gott.
Dazu formulierten wir an unserer GL-Retraite den Leitsatz:

Wir bauen Menschen, um Gottes Nähe zu suchen.

In dieser Predigtserie beleuchteten wir verschiedene Aspekte, was es heisst, Gemeinde zu bauen.

Ein Körper viele Glieder

Ihr aber seid der Leib Christi und jeder von euch ein Glied. (1 Kor 12,27)

Wir sprachen über:

  • Diakonie: wir bauen Gemeine, wenn wir Notleidenden unsere helfende Hand anbieten.
  • Ermutigung: wie wir mit unserem Mund andere aufbauen können.
  • Gottes Herzens-Nähe: die finden wir gemeinsam einfacher .
  • Gastfreundschaft: es braucht Vorbereitung, wenn wir Neue einladen wollen in unsere Gemeinschaft mit Gott.

Und heute geht es um deine Berufung.
Zu was bist du berufen? Zur dargebotenen Hand, zum Lobpreis, zur Evangelisation?

Das sind nur ein paar Beispiele, bei Gott gibt es noch viel mehr.

Paulus vergleicht die Gemeinde mit einem Körper und die Besucher als (Mit-)Glieder.
Er schreibt, dass wir nicht alle Augen oder alle Ohren sein können. Jeder ist etwas anderes und oft sind die unscheinbaren Körperteile besonders wichtig. Es braucht alle, damit wir als Gemeinde gut funktionieren können.

Gemeinschaft der Herausgerufenen

κλῆσις (Klesis) = Berufung = von Gott in einen Stand gerufen.
ἐκκλησία (Ekklesia) = Gemeinde = die Herausgerufenen.

Eine Gemeinde wie wir es hier sind, wird in der Bibel Ekklesia genannt. Von „Ek“ kommt z.B. Exit, es heisst aus (etwas) heraus. Klesia sind die Berufenen.
Gemeinde heisst also die Gemeinschaft, der von Gott Herausgerufenen.

Die Frage ist also nicht, ob du eine Berufung hast.
Du hast eine Berufung, sonst wärst du nicht da.

Bei der Übersetzung der Bibel ins deutsche hat Luther das Wort „Berufung“ eingeführt, weil wir vorher kein entsprechendes Wort für κλῆσις (den Ruf Gottes) hatten.

Auch aus politischen Gründen betonte Luther, dass Gott uns auch in praktische und körperliche Arbeit ruft, und daraus entstand das deutsche Wort Beruf.
Die sprachliche Parallele ist auf der einen Seite hilfreich, aber andererseits auch irreführend.

Ich bin Zimmermann und baue Häuser, dafür braucht es aber auch Maurer, Sanitär, Elektriker, Dachdecker, Spengler, Gipser, Maler, Bodenleger, Bauleiter, Architekten, Ingenieure, Buchhalter und viele mehr. Allein ist es fast unmöglich, ein Haus zu bauen, aber gemeinsam geht es ganz gut. Im Gemeindebau ist es nicht anders. Wenn wir alles Pastoren oder alles Buchhalter oder alles Evangelisten wären, würden wir nicht weit kommen, aber wir alle gemeinsam können Grosses für Gott bewegen.

Der Vergleich zum Beruf ist aber auch irreführend, weil wir bei einem Beruf fast immer zuerst an eine Tätigkeit denken, aber bei einer Berufung geht es immer zuerst um Identität.

Identität vor Tätigkeit

Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt. (2 Tim 1,9)

So ermahne ich euch nun, […] dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid. (Eph 4,1)

Denn ihr wisst, dass wir, wie ein Vater seine Kinder, einen jeden von euch ermahnt und getröstet und beschworen haben, euer Leben würdig des Gottes zu führen, der euch berufen hat zu seinem Reich und zu seiner Herrlichkeit. (1 Thess 2,11f)

Wozu beruft dich Gott?
In der Bibel sehen wir, dass Jesus vor allem zu drei Dingen ruft: zur Rettung, zur Heiligung und zum Dienst.

Jesus ruft uns quasi in ein Rettungsboot. Wenn wir seinem Ruf folgen, sind wir gerettet von der Macht der Sünde und versöhnt mit Gott.

Der zweite Ruf von Jesus gilt unserer Heiligung. Heiligung heisst, dass wir Jesus immer ähnlicher werden und Gott immer näherkommen.

Und dann ruft uns Jesus auch in seinen Dienst, dass wir etwas für ihn und seine Schöpfung tun.

In unserer Welt wird geglaubt, man sei, was man tut.
Bei der Berufung ist es genau umgekehrt.

Beim ersten und zweiten Ruf geht es nicht darum, was du tust, sondern was Jesus für dich tut. Es geht um das, was du bist in Jesus: du bist gerettet von Sünde, du bist versöhnt mit Gott und du wirst geheiligt durch Jesus. Aus dieser Identität heraus darfst du Gott dienen.

Wenn du fragst, was soll ich tun, und Gott dir keine Antwort gibt, mach ich dir folgenden Vorschlag.

Frag Gott: „Wer bin ich?“ Und dann versuche würdig deiner von Gott gegebenen Identität entsprechend zu leben. Wenn du das tust, dann tust du das, wozu dich Gott berufen hat.

Gottes Ruf hat Schöpfungskraft

Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. (1 Mo 1,3)

Gott hat die ganze Welt erschaffen, indem er sprach. Und wenn Gott dich ruft, dann erschafft er etwas. Gott schafft in dir eine neue Identität. Aber er schafft auch alle Ressourcen und Fähigkeiten, die du dazu brauchst.

Als Mose sagte, „das kann ich nicht, ich hab eine schwere Zunge“, erwiderte Gott: „Wer hat deinen Mund erschaffen?“

Im Beruf geht es darum, was du kannst. Aber in der Berufung geht es darum, was Gott kann mit dir.

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