Vater, Sohn und Heiliger Geist

Datum: Sonntag, 12. Juni 2022 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: 2. Korinther 13,11-13
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Wie schon vor ein paar Wochen möchte ich auch heute für die Predigt einen Blick auf das Kirchenjahr werfen. Vor zwei Monaten haben wir Ostern gefeiert. Die «Hauptperson» an Karfreitag und Ostern ist ja Jesus Christus, der Sohn Gottes, der den Auftrag des Vaters erfüllt. 40 Tage später haben wir Auffahrt gefeiert, als Erinnerung daran, dass Jesus zurückgekehrt ist zum Vater in die Herrlichkeit. Letzten Sonntag – nochmals 10 Tage später – haben wir dann Pfingsten gefeiert, wo der Heiliger Geist im Zentrum steht. Kurz zusammengefasst: Der Sohn hat seinen Auftrag erfüllt, ist zum Vater zurückgekehrt und dafür ist der Heilige Geist als Tröster und Beistand zu uns gekommen. Vater, Sohn und Heiliger Geist. So ist es nicht verwunderlich, dass heute, am Sonntag nach Pfingsten, traditionell das Fest der Trinität gefeiert wird.
Im heutigen Predigttext (2. Korinther 13,11-13) finden wir einen Hinweis auf die Trinität. Es ist der Abschluss des zweiten Briefes von Paulus an die Korinther.

Briefschluss

Paulus zieht quasi ein Fazit. Er sagt nochmals das Wichtigste zum Schluss.

  • Freut euch
  • Lasst euch zurechtbringen oder wieder in Ordnung bringen; die Welt steht auf dem Kopf, lasst euch wieder zurechtbringen
  • Lasst euch ermutigen; in dem Verb steckt das selber Wort (Paraklet), wie es Johannes oft für den Heiligen Geist braucht. Es beschreibt jemanden, der ein Tröster, Helfer, Anwalt und Zurechtbringer ist
  • Habt einen Sinn; oder: gleich denken, einmütig urteilen, Gleichgesinnte sein
  • Lebt im Frieden; oder haltet Frieden

Auf diese Aufforderungen folgt eine Aussage darüber, was Gott tut. Einige Bibelübersetzungen schreiben an der Stelle: «Dann wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.» Doch das könnte man falsch verstehen im Sinne von erst dann, wenn wir alle diese Aufforderungen einhalten, dann wird Gott mit uns sein. Das wäre aber nicht das, was Paulus seine Leser hier im Korintherbrief oder auch in seinen anderen Briefen lehrt. Paulus weiss um seine eigene Schwachheit und er weiss, dass gerade darin Gottes Kraft gross wird, dass er ganz auf diese Kraft von Gott angewiesen ist (vgl. 2.Kor 12,9). So finde ich es passender zu sagen: «Bei dem allem wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.»
Gott hat verheissen, dass er mit seinem Volk ist. Und Paulus beschriebt hier Gott als den Gott der Liebe und zwar der selbstlosen Liebe, die gibt ohne zu fragen, was sie dafür kriegt. Und er beschriebt ihn als den Gott des Friedens. Ein Frieden, wie ihn die Welt so nicht kennt, ein Frieden, der höher ist, als alle Vernunft, der geschenkt ist von Gott, unabhängig von den Umständen, in denen wir uns befinden. Von so einem Gott der Liebe und des Frieden lassen wir uns gerne zurecht bringen.

Grüsse

Zu einem Briefschluss gehört natürlich auch der Gruss. Paulus fordert die Korinther auf, einander zu grüssen mit dem «heiligen Kuss» oder besser gesagt, mit dem «Kuss der Heiligen» Die Stuttgarter Erklärungsbibel schreibt dazu:
«Ein Begrüssungskuss war im Altertum allgemein üblich. Der heilige Kuss brachte als herzliche, geschwisterliche Geste die gegenseitige Verbundenheit der Heiligen zum Ausdruck und wurde nach altkirchlichem Zeugnis im Gottesdienst vor der Abendmahlsfeier ausgetauscht.»
Die Bezeichnung «die Heiligen» bedeutet schlicht die Gläubigen. Denn das Wort «heilig» heisst nichts anderes als «ausgesondert für Gott». Christen sind Menschen die aus der Welt heraus ausgesondert sind für Gott, sie gehören ihm. Deshalb sind sie heilig. Das ist nicht eine Folge aus ihrem Verhalten, es ist kein Verdienst! Sondern umgekehrt, weil sie Heilige sind, können sie überhaupt erst nach Gottes Willen leben.

Trinität …

Der Begriff Trinität kommt (in keiner Sprache) in der Bibel vor. Er wurde erst später von den Theologen gewählt, um etwas zu benennen, das in der Bibel sehr gegenwärtig ist.

… im neuen Testament

Am deutlichsten kommt dies zum Ausdruck in einigen sogenannten trinitarischen Formeln. Am bekanntesten sind wohl die Taufformel aus Matthäus 28:

«Tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.»
Matthäus 28,19

Ebenfalls sehr bekannt, als Segenswunsch ist die Formel aus dem heutigen Predigttext aus 2. Korinther 13,13:

«Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Kraft des Heiligen Geistes, der euch Gemeinschaft untereinander schenkt, sei mit euch allen!»

Daneben gibt es noch weitere ähnliche Formulierungen z.B. in 1. Korinther 12,4-6 oder in 1. Petrus 1,2.

Neben diesen Stellen, wo Vater, Sohn und Heiliger Geist in einem Vers zusammen genannt werden, gibt es aber natürlich unzählige Stellen in der Bibel, in denen diese drei «Personen» und ihre Beziehung zueinander vorkommen.
So bezeugt das Neue Testament klar Jesus als Sohn Gottes, der eins ist mit dem Vater. So sagt z.B. Jesus selber in Johannes 10,30 knapp und bündig: «Ich und der Vater sind eins.»
Genauso klar können wir davon lesen, dass der Heiligen Geist in Gemeinschaft ist mit Vater und Sohn. So sagt Jesus in Johannes 14,26:

«Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.»

Und in Johannes 15,26 sagt er nochmals:

«Wenn der Beistand gekommen ist, den ich euch von dem Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der von dem Vater ausgeht, so wird der von mir zeugen.»

Also Jesus bittet den Vater und dieser sendet den Heiligen Geist, der vom Vater ausgeht. Und der Heilige Geist wiederum zeugt von Jesus und vom Vater.

… im Alten Testament

Doch nicht erst im Neuen Testament findet sich diese Dreiheit, sondern schon im AT finden sich Hinweise darauf. Manche sind eher etwas versteckt, wie wenn es z.B. im Schöpfungsbericht heisst:
Und Gott sprach «Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich!» 
1. Mose 1,26
Oder auch da, wo Abraham und Sara Besuch von drei Gestalten bekommen, die dann Gottes Verheissung an Abraham und Sara bestätigen, dass sie innerhalb eines Jahres Eltern sein werden. Da sind es einerseits drei Männer, die kommen und anderseits ist es klar – für Abraham und für den Leser – das ist Gott, der da mit Abraham redet.
Und natürlich wird Jesus als der Messias im alten Testament verheissen. Wenn man mit offenen Augen liest, dann findet man unzählige Stellen im AT, die auf Jesus hinweisen. Schliesslich kommt auch der Heilige Geist schon im AT vor als der Geist Gottes.

… in der Kirchengeschichte

Ganz kurz möchte ich noch einen Abstecher in die Kirchengeschichte machen. In den alten Bekenntnissen hat man darum gerungen, wie das zu verstehen ist, dass es ein Gott ist aber trotzdem in drei Personen.
Das Apostolische Glaubensbekenntnis, so wie wir es vorhin zusammen gesprochen haben, stammt aus dem 2. Jahrhundert. Es bezeugt den Drei einen Gott, indem es nach Vater, Sohn und Heiliger Geist gegliedert ist. Es ist sehr kurz gehalten und insbesondere über den Heiligen Geist sagt es nicht sehr viel aus.
Im Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel (vermutlich entstanden auf dem Konzil von Konstantinopel im Jahr 381) geht es dann ausführlicher um die Beziehung zwischen Vater und Sohn und zum Heiligen Geist:

«[Ich glaube] an den einen Herrn Jesus Christus, 
Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: 
Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, 
gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater.»

Und über den Heiligen Geist heisst es:

«Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater (und dem Sohn) hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird.»

Das dritte grosse Glaubensbekenntnis der alten Kirche, das von allen Kirchen anerkennt wird, ist das sogenannte Athanasium (aus dem 6. Jh). Hier wurde nun der Glaube an einen dreieinen Gott noch deutlicher formuliert:

«Dies ist aber der rechte christliche Glaube, dass wir einen einigen Gott in drei Personen und drei Personen in einiger Gottheit ehren.
Und nicht die Personen in einander mengen, noch das göttlich Wesen zertrennen. 
Ein andere Person ist der Vater, eine andere der Sohn, eine andere der heilige Geist. 
Aber der Vater und Sohn und heiliger Geist ist ein einiger Gott, gleich in der Herrlichkeit, gleich in ewiger Majestät.»

Und heute?

Was nützt es uns, wenn wir das alles wissen über Gott? Zum einen glaube ich, dass es gut und richtig ist, Gott besser kennen zu lernen. Es kann uns aber auch helfen beim Beten. Wir beten zum Vater, durch Jesus Christus, im Heiligen Geist. Letztlich geht jedes Gebet zum Vater. Auch Jesus hat zu ihm gebetet und der Heilige Geist steht für uns beim Vater im Gebet ein. Aber Jesus hat es uns ermöglicht, zum Vater zu kommen und der Heilige Geist hilft uns dabei.
Gott ist in sich Gemeinschaft von Vater, Sohn und heiligem Geist. Ihm fehlt es an nichts. Aber er will uns mit hinein nehmen in diese Gemeinschaft. Darauf hin leben wir, auf die ewige Gemeinschaft mit Vater, Sohn und heiligem Geist.

Amen.

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