Seine Berufung erkennen

Datum: Sonntag, 13. November 2022 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: 1. Mose 45, 1-15

Liebe Glaubensgeschwister,
Wir machen alle Erfahrungen im Leben, die uns prägen. Wie wirken sich diese Prägungen auf unsere Entscheidungen und auf unser Verhalten aus? Die Bibel zeigt uns Familiengeschichten auf von Abraham und Sara, Isaak und Rebekka und von Jakob, Lea und Rahel. Wir sehen bei diesen Familien drei negative Verhaltensmuster, die sich wiederholen: Lügen, Lieblingskinder und Rivalitäten unter den Geschwistern. In 1. Mose 37-50 lesen wir von Josef, dem ältesten Sohn von Jakob und Rahel. Er war der verwöhnte Lieblingssohn. Seine eifersüchtigen Halbbrüder verkauften ihn eines Tages als Sklave nach Ägypten. Auf diesem schweren Weg wird Josef zu einem geistlich reifen Mann. Wie ist das möglich? Durch das Leben von Josef zeigt uns die Bibel auf, wie ein Leben unter schwersten Bedingungen von Gottes Segen begleitet und verändert wird. Und dieser Segen von Gott wirkt sich auf die ganze Familie von Josef und auf ein grosses Volk aus.

Ich lese aus der Bibel den Bericht, als Josef sich seinen Brüdern zu erkennen gibt 1. Mose 45, 1-15:

«Da konnte sich Josef nicht länger beherrschen vor allen, die bei ihm standen, und rief: Führt alle hinaus und weg von mir! So war niemand bei ihm, als Josef sich seinen Brüdern zu erkennen gab. Und er weinte so laut, dass es die Ägypter hörten und auch das Haus des Pharao es hörte. Und Josef sprach zu seinen Brüdern: Ich bin Josef. Lebt mein Vater noch? Aber seine Brüder konnten ihm nicht antworten, so bestürzt standen sie vor ihm. Da sprach Josef zu seinen Brüdern: Kommt doch näher zu mir her! Und sie traten näher herzu. Und er sprach: Ich bin Josef, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt. Doch nun grämt euch nicht und lasst es euch nicht leid sein, dass ihr mich hierher verkauft habt, denn um Leben zu erhalten, hat mich Gott vor euch her gesandt. Schon zwei Jahre herrscht die Hungersnot im Land, und fünf Jahre stehen noch bevor, in denen es kein Pflügen und kein Ernten gibt. Gott aber hat mich vor euch her gesandt, um von euch einen Rest im Land zu bewahren und ihn für euch am Le- ben zu erhalten als grosse Rettung für euch. So habt nicht ihr mich hierher gesandt, sondern Gott. Er hat mich zum Vater für den Pharao gemacht und zum Herrn über sein ganzes Haus und zum Herrscher über das ganz Land Ägypten. Zieht eilends hinauf zu meinem Vater und sagt zu ihm: So spricht dein Sohn Josef: Gott hat mich zum Herrn über ganz Ägypten gemacht. Komm herab zu mir, säume nicht! Du kannst dich im Land Goschen niederlassen und nahe bei mir sein, du und deine Söhne und deine Enkel, deine Schafe und deine Rinder und alles, was du hast. Ich will dort für dich sorgen - denn noch fünf Jahre dauert die Hungersnot - damit du nicht verarmst, du mit deinem Hause und allem, was du hast. Ihr und mein Bruder Benjamin, ihr seht es ja mit eigenen Augen, dass ich selbst es bin, der zu euch redet. Erzählt meinem Vater von meinen Ehren in Ägypten und von allem, was ihr gesehen habt und bringt eilends meinen Vater hierher. Und er fiel seinem Bruder Benjamin um den Hals und weinte, und auch Benjamin weinte an seinem Hals. Dann küsste er alle seine Brüder, weinte und umarmte sie. Danach erst redeten seine Brüder mit ihm».

Die Brüder von Josef erleiden zuerst einen Schock. Sie haben ihn nach Ägypten verkauft und hüten bis heute dieses schlimme Geheimnis für sich. Den Vater haben sie belogen. Nun kommt alles ans Licht. Josef verdrängt den Schmerz und das Unrecht nicht, das ihm seine Brüder angetan haben. Er verharmlost diese schlimme Vergangenheit nicht. Er steht dazu und nimmt sie an. Aus seiner ehrlichen Trauer heraus kann er das Schwere bei Gott ablegen und es seinen Brüdern vergeben. Wie gehen wir mit schmerzlichen Erfahrungen um? Können wir sie ehrlich zugeben? Oder verdrängen wir sie und müssen sie mit einer Sucht betäuben? Können wir mit Jesu Hilfe den Menschen vergeben, die uns verletzt haben? Gute Beziehungen sind die Grundlage für ein befreites Leben.

Josef erkennt die gütige Führung Gottes in seinem Leben. «Nicht ihr habt mich hierhergebracht, sondern Gott, sagt er zu seinen Brüdern» (V8). Josef sagt aber auch zu ihnen: «Ihr hattet zwar Böses mit mir vor, aber Gott hat es zum Guten gewendet, um das Leben vieler Menschen zu retten. Habt also keine Angst. Ihr könnt euch auf mich verlassen, ich werde für euch und eure Familien sorgen» (1Mo 50,20- 21). Josef erkennt Gottes Führung in seinem Leben gerade auch in schwierigen Zeiten. Er macht die Erfahrung, dass Gott keinen verlässt, der ihm vertraut. Diese schwierigen Zeiten machten Josef zu dem Menschen, der sich nach Gottes Werten ausrichten lernte und dadurch weise Entscheidungen treffen konnte. Er sagt zu seinen Brüdern: «Gott hat mich vor euch nach Ägypten gesandt, damit ihr mit euren Familien überlebt» (V 47). Josef entscheidet sich, Gottes Berufung anzunehmen und für seine Brüder und ihre Familien zu sorgen. Die Erfahrung von Gottes Nähe und Hilfe befähigt ihn, den Teufelskreis von Lügen, Bevorzugungen und Rivalitäten zu durchbrechen, wie er sie in seiner Herkunftsfamilie kennen gelernt hatte. Josef kann keine Abkürzungen machen in seinem Leben. Er hat den ganzen Weg des Wachstums- und Reifeprozesses mit Geduld durchgemacht. Welche zerstörerischen Verhaltensmuster gibt es in unserem Leben? Sind wir bereit Gottes Werte für unser Leben anzunehmen und klare Entscheidungen zu treffen? Dadurch erkennen wir Gottes Berufung.

Durch das Menschwerden von Jesus Christus erfahren wir die volle Wirklichkeit von Gottes Segen in unserem Leben. Durch den Glauben an Jesus Christus, werden wir zu seiner neuen Lebensrealität geführt. Wir erkennen Gottes Berufung für unser Leben, wenn wir auf das Leben Jesu sehen und auf seine Worte hören. Wir werden neue Menschen, wenn wir uns Jesus Christus ganz öffnen und uns seinem Willen unterstellen. Alles Neue in unserem Leben beginnt damit, dass wir unsere Enttäuschungen und unsere Schmerzen zu Jesus bringen. Niemand versteht unser Leiden tiefer als er, weil er für uns alle gelitten hat am Kreuz von Golgatha. Unser himmlischer Vater hat Jesus Christus für uns in die Welt gesandt, damit wir eine Zukunft haben. Gottes Berufung erkennen wir daran, dass er zu uns eine gute Beziehung aufbauen will. In seiner Gemeinschaft lernen wir seine Werte kennen und auf dieser Grundlage klare Entscheidungen zu treffen. Auf diesem Weg verlassen wir zerstörerische Verhaltensmuster und leben auf dem Weg der Nachfolge Jesu. Welche Schwierigkeiten hat Gott in meinem Leben zugelassen, damit ich zu einer reifen geistlichen Persönlichkeit heranreifen kann?

Jesus sagt: «Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen, und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe» (Joh15,1-2). Gottes Berufung besteh im Fruchtbringen. Das ist unsere Lebensaufgabe. Was steht diesem Fruchtbringen im Wege? Die tiefe Verbundenheit mit Jesus führt uns zur Umkehr, Freude und Befreiung im Leben. Wir dürfen wie Josef Tränen vergiessen, um körperlich mitzuerleben, wie der Heilige Geist unser Leben tröstet und erneuert. Jesus Christus sagt: «Lasst euch durch nichts in eurem Glauben erschüttern! Vertraut auf Gott und vertraut auf mich» (Joh 14,1)

Amen.

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Diese Schriftstelle wird oft zitiert, um zu erklären, wie wir eine persönliche Beziehung zu Gott haben können. Wir sagen: Weisst du, Jesus wartet bereits auf dich. Er steht vor deiner Tür – vor deiner Herzenstür und klopft an. Wenn du dich ihm öffnest, wird er in dein Leben treten und Gemeinschaft mit dir haben. Das stimmt, aber in Offenbarung 3 geht es um etwas anderes.

Seine Berufung erkennen

13 November 2022
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