Jauchze und juble

Datum: Sonntag, 27. Februar 2022 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Jesaja 12

Stürmische Zeiten

Jesaja prophezeite in eine spezifische Situation hinein.
Nachfolgend gebe ich einen kurzen Abriss der Geschichte und Umstände:
Hast du dich auch schon mal gefragt, weshalb am Anfang der Bibel vom Volk Israel gesprochen wird und irgendwann nur noch von den Juden? Das ist so, weil es heute nur noch Juden (und ev. eine Handvoll Benjaminiter) gibt.
Mit Abraham, Isaak und Jakob hat Gott einen Bund geschlossen. Er will ihr Gott sein, sie und ihre Nachkommen sollen sein Volk sein. Jakob, der Enkel von Abraham bekam von Gott einen neuen Namen, nämlich Israel. Er hatte 12 Söhne, aus denen sich die 12 Stämme ergaben. Zusammen sind sie die Isrealiten. Dieses Volk wurde von den Ägyptern versklavt, aber Gott hat sie befreit und ins Land Kanaan geführt. Gott gab ihnen die Tora (erster Teil der Bibel) als Gesetzbuch und setzte Friedensrichter ein. Abgesehen davon hatten sie keine Regierung, weil Gott ja selbst ihr König sein wollte. Aber die Israeliten wünschten sich trotzdem einen König. So wurde Saul zu ihrem ersten Monarchen. Anfangs regierte er sehr gut, dann wurde es ihm aber wichtiger, den Menschen alles recht zu machen als auf Gott zu hören. Daran ist er gescheitert. Deshalb ernannte Gott David zum neuen König. David machte viele grosse Fehler aber fragte immer wieder nach Gott. So schloss Gott einen Bund mit ihm, dass er und seine Nachkommen ewiglich über Gottes Volk herrschen werden. Jesus ist rechtlich gesehen ein Nachkomme Davids und durch ihn wird dieses Versprechen wortwörtlich erfüllt. Jesus wird auch in Ewigkeit über Gottes Volk herrschen. Davids Sohn Salomo übernahm das Königreich. Er war ein diplomatisches Genie und pflegte hervorragende Beziehungen zu den umliegenden Völkern. Dadurch gewann Israel Frieden und grossen Reichtum. Aber Salomo vermählte sich mit vielen seiner verbündeten und baute Tempel und Götzen für seine Frauen, damit sie ihrer eigenen Religionen nach-gehen konnten. Dadurch verführte Salomo das Volk Israel zu einer polytheistischen Lebensweise, in der ihr eigener Gott bestenfalls noch eine Nebenrolle spielte. Das machte Gott wütend. Zu Salomo sagte Gott, er werde ihm deshalb sein Reich wieder wegnehmen; aber nicht ganz, und nicht zu seiner Lebzeit, wegen des Bundes, welcher Gott mit seinem Vater David geschlossen hatte.
Salomos Thronfolger war Rehabeam. Er hatte das gegenteilige Problem vom ersten König Saul. Rehabeam wollte es nicht allen recht machen, er wollte das Volk tyrannisch unterdrücken. Aber die Israeliten widersetzten sich erfolgreich, sodass nur der eigene Stamm Juda und ein paar Krieger aus dem Stamm Benjamin zu Rehabeam hielten. Somit teilte sich Israel in ein Nordreich und ein Südreich. Im Süden lebten hauptsächlich die Juden. Das Nordreich wurde von den Assyrern erobert, ihre Bewohner verschleppt und mit anderen Völkern zwangsdurchmischt damit sie ihre ethnische und kulturelle Identität verlieren. Dadurch wurden all diese Stämme erfolgreich ausradiert. Nun drohte dem Südreich das gleiche Schicksal.
In dieser Zeit warnte Gott durch Jesaja diejenigen, welche von seinem Volk übrig geblieben sind. Sie sollen ablassen von politischer Korruption, sexueller Zügellosigkeit und brutalem Götzendienst. Auch sollen sie ihre Rettung nicht von anderen Menschen oder menschlichen Errungenschaften erhoffen. Nur Gott selbst kann ihnen helfen und Assyrien kann sie nur deshalb unterdrücken, weil Gott zornig ist auf sein Volk. Er werde aber nicht lange zornig bleiben und dann werde auch das Assyrische Reich wieder zusammenfallen. Die Juden werden viel verlieren. Dann aber werden sie sich nur noch freuen über alles, was sie noch haben. Sie werden Gott danken, jubeln und jauchzen.

Eine fröhliche Zeit kommt

Zu der Zeit wirst du sagen: Ich danke dir, Herr, dass du bist zornig gewesen über mich und dein Zorn sich gewendet hat und du mich tröstest. (Jes 12,1)

Das hebräische Wort יָדָה (yadah) für danke, wird auch mit loben übersetzt und meint ein lautstarkes Danken, sodass es alle hören.
Wir werden Gott vor andern danken, weil er uns tröstet und uns nicht mehr zornig ist. Dieser Vers kann man aber durchaus so verstehen, dass wir nachträglich auch dafür dankbar sind, dass Gott mit uns zornig war. Gottes Zorn ist auch ein Zeichen dafür, dass wir ihm wichtig sind. Was ihm egal ist, wird ihn nicht erzürnen.
Achtung: Ja auch wir dürfen zornig werden, dies darf aber niemals eine Ausrede werden, um Unrecht zu tun!
In Epheser 4,26 steht: „Zürnt ihr, so sündigt nicht“.

Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der Herr ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil.
Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen. (Jes 12,2f)

Der zweite Vers beginnt und endet mit der Aussage, dass Gott unser Heil ist. Das hebräische Wort dafür ist יְשׁוּעָה (yshuwꜥah) und kann auch mit Erlösung übersetzt werden. Davon abgeleitet ist der Name Jeshua, die hebräische Aussprache vom Namen Jesus.
Jesus ist eine unerschöpfliche Quelle der Heilung.

Und ihr werdet sagen zu der Zeit: Danket dem Herrn, rufet an seinen Namen! Machet kund unter den Völkern sein Tun, verkündiget, wie sein Name so hoch ist! (Jes 12,4)

Dafür werden wir Gott danken. Dafür werden wir andere ermutigen, Gott zu danken und seinen Namen anzurufen. Sein Name ist Jeshua, sein Name heisst, Gott ist unsere Rettung.

Lobsinget dem Herrn, denn er hat sich herrlich bewiesen. Solches sei kund in allen Landen! Jauchze und rühme, du Tochter Zion; denn der Heilige Israels ist groß bei dir! (Jes 12,5f)

Im hebräischen Denken sind die Eigenschaften einer Stadt wie Schutz, Geborgenheit und Gemeinschaft weibliche Qualitäten. So werden Städte in der Bibel oft als Frau personifiziert. In diesem Fall als Tochter, was auf die Nachkommenschaft hindeutet.
Zion ist ein Hügel in Jerusalem. Darauf baute David seinen Hauptsitz und später baute Salomo dort den Tempel. „Zions Stadt“ wurde zum Übernamen für ganz Jeru-salem. Diese Bezeichnung beruft sich rückblickend auf David, der dort sein König-reich aufgebaut hat und auch in Zukunft auf die Verheissung Gottes, dass dieses Königreich ewiglich bestehen bleibt.
Tochter Zion ist also eine poetische Beschreibung für Menschen, die zum Bund gehören, den Gott mit David geschlossen hat.
Durch Jesus kannst auch du Teil sein von dem Bund der Gott mit Abraham, Isaak und Jakob, Mose, David und den Nachfolgern Jesu geschlossen hat. Er will unser Gott, Retter und Heiler sein und wir sollen sein Volk sein (vgl. 1 Mo 17,7; Jer 32,38).

Amen

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