Gott will uns durch seine Gnade zur Einsicht führen

Datum: Sonntag, 11. April 2021 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Jesaja 63, 7-14

Mich beeindruckt, wie sich das Volk Israel immer wieder an das gnädige Eingreifen Gottes in seiner Geschichte erinnert. Dieser Bibeltext in Jesaja 63 hat das Volk Israel nach der Zerstörung Jerusalems gesungen. Der Anfang erinnert daran, wie Gott sein Volk aus dem Sklavendienst in Ägypten befreit hat. Gott hat Israel erwählt, sein Volk zu sein. Gottes gnädiges Eingreifen soll zu einer vertrauensvollen Beziehung zwischen ihm und seinem Volk führen. Gott erwartet von seinem Volk, dass es zu ihm steht. Doch die Geschichte zeigt, dass Israel Gottes Liebe immer wieder vergisst und sie sogar zurückweist. Bei Amos lesen wir, dass Gottes Volk die Warnungen Gottes vor dem Götzendienst und der sozialen Ungerechtigkeit nicht ernst genommen hat. Sie blieben unbelehrbar. Ihre Glaubensbeziehung konnte dadurch keine tiefen Wurzeln schlagen. Auch durch Jesaja hat Gott sein Volk gewarnt: «Weh denen, die weise sind in ihren eigenen Augen und halten sich selbst für klug» (Jes5,21). Gott sieht in seinem Volk, wie die Stärkeren willkürlich ihre Macht ausüben, um sich zu bereichern. Eingebildete Führer meinen ohne Gott und seine Weisungen auszukommen. Am falschen Ort sind sie Helden, aber wo es um das Recht geht, versagen sie. Erst in der babylonischen Gefangenschaft, erinnert sich das Volk Israel wieder daran, dass sie doch zu Gott gehören. Die bedrückende Not, die sie nun durchmachen, hat ihren Grund in ihren unzähligen Sünden. Mit seiner Schuld kann das Volk nicht vor Gott bestehen. Gottes Gerichtsankündigungen sind keine leeren Worte.

Israel bekennt seine Schuld vor Gott

In der verzweifelten Lage beginnt das Volk Israel seine Schuld vor Gott zu bekennen. Im Gebet wenden sie sich an Gott und ringen um sein Eingreifen. Das Vertrauen zu Gott ist die Grundlage für das Bekennen von seiner Schuld. Israel vertraut trotz seiner Untreue auf Gottes Treue. Gott hat seinem Volk zugesagt, dass er es wegen seiner Schuld nicht fallen lässt. Israel betet mit Worten aus den Psalmen. Dort ist die Erwartung festgehalten, dass Gott den Himmel aufreisst und auf die Erde herabfährt. Nach allem was Israel gelitten hat, dürfen sie jetzt seiner Gnade begegnen. Gott schenkt seinem Volk einen neuen Anfang. Gottes Gnade vergibt und überwindet die menschlichen Sünden, wo wir sie ihm bekennen. Jesaja darf nun das Volk Israel mit Gottes Worten trösten und ihnen die Rückkehr in die Heimat ankündigen. «Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!» (Jesaja 43,1).

Wie gehen wir mit unserer Schuld vor Gott um?

Im Hebräerbrief lesen wir: «Kein Geschöpf ist vor mir verborgen, sondern es ist alles bloss und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft geben müssen» (Hebräer 4,13). Was früher Gott dem Volk Israel gesagt hatte, bezieht sich auch auf das Leben von uns. Gott redet zu uns ganz besonders durch die Worte von seinem Sohn Jesus Christus. Sind wir bereit, uns von seiner Botschaft treffen zu lassen? Jesus Christus hat für uns den Himmel verlassen, um uns in die Gemeinschaft mit Gott aufzunehmen! Er schenkt uns den Sieg, den wir selbst nicht erreichen können. Wer Gottes Vergebung für etwas Selbstverständliches hält, hat noch nicht begriffen, was sein tiefstes Problem ist. Wer stolz meint, im Leben alles selber erreichen zu können, wird an den eigenen Grenzen scheitern. Paulus sagt uns, dass es nicht genügt, den Sünden in unserem Leben gute Gegenleistungen entgegen zu setzten. Er fragt sich: «Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe?» (Römer 7,24). Wo ich ehrlich zugebe, dass ich ein Sünder bin, muss ich mich nicht länger mit Selbstrechtfertigungen belügen. Ich darf davon leben, dass mir Vergebung von Jesus zugesprochen wird. Johannes sagt: «Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er (Jesus) treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns von aller Ungerechtigkeit reinigt» (1. Johannesbrief 1,9). Gott schenkt uns in Jesus Christus ein neues Leben! Durch den Glauben an Jesus Christus, suchen wir bei Gott Gnade und Erlösung für unsere Schuld.

In Jesus Christus gibt uns Gott alles, was wir uns nicht selber geben können

Durch die ehrliche Ausrichtung auf Jesus Christus werden wir von Gott zu einem neuen Leben wiedergeboren. Woran erkenn wir das neue Leben? Mit Gottes Geist und Kraft leben wir nun in der Liebe zu Gott, zu uns selbst und zu unseren Nächsten. Diese Liebe kommt von tiefstem Herzen, weil sie nicht mehr aus einer aufgesetzten christlichen Fassade besteht. Darum schreibt Paulus: «Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten an» (Römer 12,9). Wir dürfen nun aus der Gewissheit leben, dass Gott uns durch Christus mit seiner einzigartigen Liebe beschenkt hat. Das wirkt sich im liebevollen Umgang mit unseren Mitmenschen aus. Ihnen dürfen wir all das zuliebe tun, was wir tun können. Der auferstandene Christus begleitet uns bei dieser Aufgabe. Wir können ihn nicht sehen. Das bedeutet aber nicht, dass er weit weg von uns ist. Eine Patientin sagt zum Arzt: «Ich höre Stimmen, aber ich sehe niemand». Der Arzt fragt: «Wann hören sie diese Stimmen?» Die Frau sagt: «Immer wenn ich telefoniere.»

Gottes Gnade führt uns zu befreienden Einsichten

Wer bereit ist, auf Jesu Worte zu hören, findet eine neue Lebensgrundlage. Wir stehen immer wieder in der Gefahr, uns unehrlich und selbstbetrügerisch zu verhalten. Jeder Mensch hat einen Lebensstil, in dem auch bestimmte Lebenslügen Platz haben. Es sind Überzeugungen, die nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen und Erwartungen, die völlig unrealistisch sind. Lebenslügen zeigen die dunklen Seiten unseres Lebens auf. Wir biegen die Wahrheit der Bibel so zurecht, wie sie uns passt. Jesus Christus geht mit uns einen ganz anderen Weg. Er bringt Licht in unsere Schuld. Durch seine Erlösung hilft uns Jesus, alte Geleise zu verlassen, um von Fehlprägungen frei zu werden. In Christus befreit uns Gott von sündigen Verhaltensmustern, damit wir sie nicht länger vor ihm verstecken müssen. Christus macht uns nicht zu frommen Geniessern, sondern zu Gottes Mitarbeitern. Paulus sagt: «Wer zu Christus gehört, ist ein neuer Mensch geworden. Was früher war, ist vorbei; etwas ganz Neues hat begonnen» (2. Korinther 5,17). Wozu ist der Glaube an Christus da? Damit wir auf Christus hören und mit ihm neue Schritte wagen. Jesus sagt: «Tue das, so wirst du leben.» (Lukas 10,28). In der Besinnung auf das, was Jesus uns zu sagen hat, bewirkt der Heilige Geist in uns neue Motive: «Die Liebe drängt uns» (2. Korinther 5,14), sagt Paulus. Jesus Christus bewirkt neue Ziele in unserem Leben: «Damit die, die da leben, hinfort nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist.» (2. Korinther 5,15). Selbsttäuschungen und Lebenslügen sind sehr hartnäckig. Jesus Christus erwartet, dass wir uns von seiner neuschaffenden Kraft auch verändern lassen. Darum leitet uns der Heilige Geist an, über Jesu Worte tiefer nachzudenken, statt nur neue Angebote zu konsumieren. Es geht darum das hässliche und zerstörerische in unserem Leben bedingungslos aufzugeben und dafür Busse zu tun. Das Ziel ist nicht, perfekt zu werden, sondern mit ganzem Herzen für Gott und den Nächsten da zu sein.

Amen.

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