Gott findet dich schön
23. August 2020

Gott findet dich schön


Passage:

1. Mose 1,31

Dienstart:

In dem Videoclip zur Schöpfung (kann man sich hier anschauen: http://bit.ly/schopfung) haben wir eindrückliche Bilder gesehen. Diese Welt ist sehr schön. Es gibt eine unglaubliche Vielfalt an Farben, Formen, Tieren und Pflanzen. Unglaublich schöne Naturspektakel, speziell auch da, wo der Menschen noch nicht in die Natur eingegriffen hat. Dieses Gewimmel an Tieren, im Wasser, auf der Erde, in der Luft, atemberaubend schönen Pflanzen, unvorstellbaren Weiten des Sternenhimmels. Und immer wieder heisst es: «Und Gott sah, dass es gut war!»

Doch was ich besonders eindrücklich finde: Die Gesichter von so vielen, so unterschiedlichen Menschen: Jung, alt, aus den verschiedensten Völkern und Kontinenten – jeder einzelne ein einmaliges Original, keine einzige Kopie. Und da, am sechsten Tag, als Gott den Menschen geschaffen hat, da heisst es dann:

  • «Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.» 1. Mose 1,31 (Luther2017)

Doch leider ist es nicht für immer so geblieben. Nach der Schöpfung kam der Sündenfall und nun ist auf dieser Welt nicht mehr alles schön und gut. Die Natur kann auch sehr grausam sein. Und vom Menschen müssen wir gar nicht reden. Aber auf das möchte ich nicht eingehen, sondern ich möchte die Frage stellen: «Was ist schön?»

Für viele gilt: was gut oder perfekt ist, das ist schön. Zum Beispiel in der Kunst: Da gibt es die bekannte Statue «David» von Michelangelo, aus weissem Marmor, die gilt als schön. Da war ein grosser Künstler am Werk und hat etwas Einmaliges geschaffen.
Ein auf Hochglanz poliertes Auto, stromlinienförmige Karosserie, edle Materialen, ein leistungsstarker Motor – das ist für Technikfans ein anderes Beispiel für Schönheit.
Oder ein perfektes (mit Photoshop idealisiertes) Gesicht auf einem Werbeplakat, makellos ohne eine Hautunreinheit, gleichmässige Gesichtszüge, lange Wimpern, … 

Sowohl Künstler als auch Wissenschafter haben seit Jahrtausenden gesucht, welche Kriterien es braucht, damit ein Mensch oder eine Sache als schön gilt bei der Mehrheit der Menschen. Aber ist jemand schön, weil die Mehrheit der Menschen das so denkt?

Es gibt da noch eine ganz andere Sicht. Hast du dich schon mal darüber gewundert, wie jemand etwas schön findet, dass für andere so gar nicht schön aussieht? Zum Beispiel ein abgenutztes Plüschtier. Es ist das Lieblings-Kuscheltier eines Kindes, das schon oft getröstet oder beim Einschlafen geholfen hat, überall mitkommen musste, heiss und innig geliebt. Nun ist das Kind älter und braucht das Plüschtier eigentlich nicht mehr. Trotzdem ist dieses Plüschtier für das Kind wertvoll und schön.
Oder eine Kinderzeichnung. Für die meisten Menschen ist sie nichts weiter als ein Gekritzel. Aber für die Eltern ist es ein wunderschönes Bild. Doch warum ist das so?

Es ist ganz einfach: Es hat mit Liebe zu tun. Das, was wir lieben, das finden wir schön. Und das was aus Liebe gemacht wurde, wird schön. Und dabei geht es um eine Schönheit, die man nicht unbedingt von aussen sieht. 

In dem bekannten Kinderbuch «Der kleine Prinz» von Antoine de Saint-Exupéry da heisst es: «Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.» Und genau das trifft es. Man kann diese Art von Schönheit nicht unbedingt mit den Augen sehen. Die Kinderzeichnung ist mit neutralen Augen betrachtet kein grosses Meisterwerk. Aber mit dem Herzen betrachtet ist sie schön. Nun kann man sich fragen, was wichtiger ist, was man mit den Augen oder was man mit dem Herzen sieht. Wie sieht das Gott?

Saul, der erste König von Israel, hatte sich von Gott abgewendet und wollte nicht mehr auf Gott hören. So beschloss Gott, einen neuen König für das Volk zu bestimmten. Er gab dazu dem Propheten Samuel den Auftrag, diesen Mann zu salben. Das war ein Zeichen dafür, dass Gott diesen Mann segnen will und ihn zum König machen wird. Gott sandte Samuel zu einer Familie. Dort soll er einen der Söhne zum König salben. Samuel dachte sich gleich, dass es natürlich der älteste Sohn wäre. Schliesslich war der gross, stark und sah gut aus. Doch Gott hatte den jüngsten Sohn ausgewählt und so sagte er zu Samuel:

  • «Es ist nicht so, wie ein Mensch es sieht: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an.» 1. Samuel 16,7 (Luther2017)

Auch Gott schaut nicht einfach auf das Äussere, sondern in die Herzen. Er kann das. Wir können das nicht – wir können nicht in das Herz eines anderen Menschen schauen. Aber wir können mit unseren Herzen auf einen anderen Menschen schauen.

Aber weisst du, was das alles für dich bedeutet? Gott hat dich geschaffen - genauso wie er all die vielen schönen Dinge auf dieser Welt geschaffen hat. Und Gott liebt dich. Das hat er auf ganz unterschiedliche Weise bewiesen. Weil Gott dich liebt, darum findet er dich schön!

Es kommt nicht darauf an, was die anderen über dich denken. Es kommt nicht darauf an, ob du ein perfekt geformtes, makelloses Gesicht hast. Das einzige, auf das es wirklich ankommt, das ist, dass Gott dich liebt und dich mit ganz viel Liebe gemacht hat. Und deshalb findet er dich schön. Und wenn Gott selber, der Schöpfer, der Mächtigste im ganzen Universum dich schön findet, wer kann da noch etwas dagegen sagen? Weil er sieht ja eben nicht nur dein Äusseres. Er sieht auch dein Herz. Und er weiss, welche Schönheit gerade auch in deinem Herzen steckt! Bei manchen Menschen ist diese Schönheit versteckt, wie unter einer Schicht von Dreck. 

Stell dir vor, jemand würde die Statue von David in einen Keller stellen. Dort würde sie mit der Zeit voll Staub, Dreck und Spinnweben. Dann könnte man ihre Schönheit nicht mehr auf den ersten Blick erkennen. Erst wenn man sie wieder vorsichtig aber gründlich reinigen würde, käme ihre Schönheit zum Vorschein. Aber die Schönheit wäre immer da gewesen. So ist es bei manchen Menschen. Ihre Schönheit sieht man manchmal auch nicht auf den ersten Blick, weil sie unter einer Schicht von Staub und Dreck liegt. Bei den einen vielleicht, weil andere Menschen sie verletzen oder oder ihnen Unrecht angetan haben. Bei anderen weil sie selber schlechte Dinge getan haben. Aber bei jedem Menschen ist diese Schönheit da – weil jeder Mensch von Gott geliebt ist.

Und da glaube ich ist nun eine Aufgabe für uns alle. Ich bin überzeugt, dass wir alle lernen sollen, (noch) mehr mit dem Herzen zu sehen. Wir können nicht wie Gott direkt in die Herzen der anderen sehen. Aber auch wir können genauer hinschauen, uns nicht vom ersten Blick täuschen lassen. Auch wir können besser hinschauen und unter die Schicht von Staub und Dreck schauen. Vielleicht können wir auch helfen, ein Stück von dieser Schicht weg zu waschen. 

Ich denke, wir sollten auf die Menschen um uns herum genauer schauen. Aber auch auf uns selber sollten wir genauer schauen. Und Gott kann uns helfen, den Staub und Dreck, der sich bei uns angesammelt hat, immer wieder wegzuwaschen, damit die Schönheit, die Gott schon längst in uns sieht, weil wir von ihm geliebt sind, damit die zum Vorschein kommt. Bei uns und bei den Menschen um uns herum.

Amen.

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