Die Umkehr von Paulus
28. Juni 2020

Die Umkehr von Paulus


Passage:

Apostelgeschichte 9, 1-19

Dienstart:

Apostelgeschichte 9,1-18 (nacherzählt)

Jesus war nicht mehr sichtbar unter seinen Leuten, aber viele Menschen glaubten an ihn. Durch Petrus, Johannes und andere Jünger hörten viele von Jesus. Weiterhin geschahen Wunder durch die Kraft Gottes und die gute Botschaft von Jesus breitete sich immer mehr aus. Das war super!Aber für viele Leute in Jerusalem war das auch ärgerlich. Z.B für einen Mann Namens Saulus von Tarsus. Das ist sein jüdischer Name. Da er aber nicht nur Jude war, sondern auch römischer Bürger, hatte er einen zweiten Namen: Paulus. Paulus war ein sehr kluger Mann, hatte einen gute Schule besucht und viel von der Bibel, vom Alten Testament, studiert. 

Aber Paulus hasste die Christen, denn er fand, dass sie eine völlig falsche Lehre verbreiteten. Das heisst, die Christen sprachen immer von diesem Jesus und behaupteten, dass er noch immer unter ihnen leben würde, obwohl man ihn getötet hatte. Paulus fand das total falsch und nannte es «Irrlehre», also falsches Denken. Dass die Christen so von Jesus sprachen fand er nicht nur falsch, sondern er hasste sie richtig dafür und zwar so, dass er die ins Gefängnis brachte und töten liess, die anders dachten. Er verfolgte die Christen und wehe dem, der sich zu diesem Jesus bekannte! Es war echt besser, diesem Paulus aus dem Weg zu gehen. Der war richtig gefährlich.

Paulus hatte von Christen in Damaskus gehört und wie sich dort die Botschaft von Jesus verbreitete. Dem wollte er ein Ende machen.

So sprach er mit einem Hohen Priester und lies sich die Erlaubnis geben, die Christen in Damaskus zu verfolgen und sie ins Gefängnis zu bringen. Ha, er würde es ihnen schon zeigen!

Er war wütend und hasste diese Leute. Darum suchte er sich Reisebegleiter und machte sich auf den Weg.

Mitten auf dem Weg nach Damaskus bekam er einen mächtigen Schock. Interessanter Weise bekamen seine Leute das gar nicht alles mit, aber Paulus traf es voll. Er sah ein grelles Licht. So hell, das er auf den Boden fiel. Ai, wie das blendete! Er konnte nicht mal blinzeln, das schmerzte in den Augen.

Und dann… dann hörte er auch noch eine Stimme! Die Stimme fragte: «Saul, Saul, was verfolgst du mich?»

Was meint ihr wohl, wer das war? Wem gehörte diese Stimme?

Ja, das war Jesus selbst. Er wollte mit Paulus reden, denn er hatte einen Plan mit ihm.

Paulus war durch das starke Licht nicht nur ein wenig geblendet, sondern er war plötzlich ganz blind. Man musste ihn führen. Da war er nun auf einmal ganz hilflos, der grosse, starke Verfolger der Christen.

So brachte man ihn nach Damaskus in ein Haus, das in der «geraden Strasse» von Damaskus lag. Das war damals eine sehr bekannte Einkaufsstrasse. Paulus war so geschockt, dass er nicht essen und sogar nicht trinken wollte. Drei Tage lang nahm er nichts zu sich. Er sass nur da und dachte nach über alles, was er getan hatte.

Nun, Gott hatte ihn nicht vergessen. Er hatte einen Plan für Paulus. Er wollte ihn zu seinem Boten der guten und frohen Botschaft von Jesus machen. Im Moment sah es aber noch gar nicht nach einem frohen Paulus aus.

Je länger Paulus nachdachte, desto mehr wurde ihm bewusst, dass Jesus wirklich lebt. Und Paulus fing an zu beten. Dann sah er im Traum einen Mann, der ihm helfen würde. Dieser Mann hiess Hannanias.

Gott sprach auch mit Hananias. Hananias kannte Gott und hatte ihn lieb. Als Gott aber mit ihm sprach bekam er einen grossen Schreck: «Was, zu Paulus soll ich gehen?» sagte er, und dachte dabei an alles Schreckliche, was er schon über Paulus gehört hatte. Alles, nur das nicht! Er wusste, wer Paulus war und was er schon gegen die Christen getan hatte.

Dann aber beruhigte sich sein Herz, denn er wusste auch, dass Gott, wenn er einen Auftrag gibt, auch die Kraft dazu schenkt, ihn auszuführen. So ist Gott. Seine Wege sind oft ganz ungewöhnlich.

So ging Hananias also los. Gott hatte ihm genau die Adresse gesagt und was er dort tun und sagen sollte. Nun, ich kann mir vorstellen, dass ihm ganz schön das Herz geklopft hat, als er bei dem Haus in der «geraden Strasse» vor der Tüte stand.

Dann aber durfte er erleben, dass das, was Gott gesagt hatte, genau so eintraf. Er fand dort den blinden Paulus, den Gott auch schon auf ihre Begegnung vorbereitet hatte und als er ihm die Hand auflegte wurde dieser wieder sehend.

Hananias sagte Paulus alles was Gott ihm aufgetragen hatte und es waren bestimmt Momente im Leben von Hananias und Paulus, die sie nie wieder vergessen haben. Wir wissen nicht, was die Beiden dann noch alles gesprochen haben, jedenfalls für Saulus fing ein ganz neues Leben an. Er liess sich taufen.

Mit der Taufe zeigte er vor den anderen Menschen, das er nun zu Jesus gehörte. Das ist ein ganz wichtiges Zeichen im Leben der Christen.

Und dann hat er erst mal richtig gegessen. Was glaubt ihr wohl, wie gut er sich danach fühlte? In seinem Herzen war er überglücklich und auch sein Bauch knurrte nicht mehr.

Jesus lebte nun in seinem Herzen und er startete in ein großes Abendheuer. Gott hatte ihn für einen ganz besonderen Weg berufen. Davon hören wir später.

Predigtimpuls

Auch wenn Paulus hier auf diesen Zeichnungen sehr nett aussieht, so muss man doch sagen, dass Paulus ein Kämpfer war. Er setzte sich mit aller Kraft für seinen Glauben und für Gott ein.

Vor seiner Umkehr allerdings war er ein sehr fanatischer Verfechter seiner Religion. Er scheute nicht davor zurück, Andersdenkende einzusperren oder sogar umzubringen. Er war der Meinung, dass er es so richtig macht, dass dies Gott gefallen würde.

Doch dann veränderte sich alles. Paulus begegnete Jesus. Er hat nicht nur von Jesus gehört – das hatte er ja schon vor seinem Erlebnis. Er wusste schon von Jesus, aber das alles ärgerte ihn nur. Doch dann begegnete ihm Jesus vor Damaskus. Das heisst, er sah nur ein ganz helles Licht und er hörte eine Stimme. Das helle Licht sahen die anderen Leute, die mit Paulus unterwegs waren offenbar nicht. Denn es heisst, dass die anderen zwar die Stimme hörten, dass sie aber niemanden sahen. Es war also nicht nur irgend eine Stimme im Innern von Paulus, die er hörte, sondern eine laute Stimme, die auch die anderen hören konnten.

Diese Begegnung löste in Paulus eine Veränderung aus. Jesus sagte offenbar nicht viel zu ihm. Paulus erfährt nur, dass Jesus tatsächlich lebt, dass er auferstanden und nun verherrlicht ist. 

Spannend ist, dass Jesus fragt: «Warum verfolgst du mich?» Eigentlich verfolgte Paulus ja die Christen. Aber Jesus hatte ja schon während seiner Zeit hier auf der Erde gesagt: «Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.» (Mt 25,40). Wenn Paulus also die Christen verfolgt, die Brüder und Schwestern von Jesus, dann verfolgt er damit direkt Jesus.

Mehr sagt Jesus jedoch offenbar nicht. Doch diese wenigen Worte reichen. Allerdings brauchte Paulus Zeit. Drei Tage lang ist Paulus blind, isst nichts und trinkt nichts. Das heisst, er ist durch nichts abgelenkt, ganz auf sich selber und auf seine Gedanken zurückgeworfen. Und in dieser Zeit nun hat er zu Gott gebetet. 

Als dann nach diesen drei Tagen Gott den Hananias zuerst vorbereitet und dann zu Paulus schickt, da ist dieser bereit, nun auf mehr zu hören. So legte Hananias dem Paulus die Hände auf, damit Paulus wieder sehend und auch mit dem Heiligen Geist erfüllt wurde. Das tönt ziemlich spektakulär. Aber wir sollten nicht übersehen, was Gott mit Paulus vor hat: Zum einen soll Paulus zu einem Werkzeug von ihm werden. Schon jetzt, ganz zu Beginn seines neuen Lebens als Christ erfährt er, was ihm alles bevorsteht. Er erfährt, dass er Gott sowohl vor «Heiden», also Menschen aus anderen Völkern und Religionen, als auch vor Königen und vor Juden verkünden soll. Also einfache Leute genauso wie grosse Könige, einflussreiche Leute. Aber auch Juden genauso wie Nichtjuden. Zum anderen will Gott ihm schon jetzt zeigen, wie viel Paulus wird leiden müssen, während er von Gottes erzählt. Es gibt also für Paulus nicht einfach ein Happy End, wie in einem Hollywood Märchen – so nach dem Motto: Paulus kehrte um zu Gott, alles wurde gut und er lebte glücklich und zufrieden. Nein, die Realität sieht ganz anders aus. Paulus wird zwar viel Schönes und Erfreuliches erleben, aber er wird auch sehr schwierige Wege gehen müssen – und Gott verheimlicht ihm das nicht.

Doch Paulus ist ein Kämpfer und das bleibt er auch als Nachfolger von Jesus. So leidenschaftlich, wie er zuvor die Christen verfolgt hat, so leidenschaftlich verkündigt er von nun an die gute Nachricht von Jesus Christus. Doch die Vorzeichen haben sich verändert. Vorher wollte er Gehorsam erreichen. Jetzt will er die Herzen der Menschen erreichen. Er will sie gewinnen und nicht einschüchtern. Er ist immer noch zu vollem Einsatz bereit. Aber nun will er Menschen retten und nicht mehr einsperren oder umbringen. Das, was ihn antreibt ist nicht mehr die Verachtung, sondern nun ist sein Handeln bestimmt durch die Liebe zum anderen Menschen. Nun folgte er radikal Jesus nach, anstatt Andersgläubige brutal zu verfolgen. Er wird vom Verfolger zum Nachfolger. 

Spannend finde ich, dass Paulus gleich als Hananias zu ihm kommt und ihm die Hände auflegt den Heiligen Geist bekommt und dass er sich dann auch gleich taufen lassen will. Er braucht keine Probezeit, muss nicht zuerst noch lange abwägen oder so. Natürlich Paulus wusste schon sehr viel über Gott. Er hatte die Bibel (das Alte Testament) ja auch gründlich studiert, bei den besten Lehrern seiner Zeit. Es ist anzunehmen, dass er grosse Teile des Alten Testamentes auswendig kannte – das wurde damals von einem Thora-Schüler erwartet.

Doch was ihm gefehlt hatte war nicht das Wissen, es war die persönliche Begegnung mit dem auferstandenen Jesus. Das hat ihn verändert. Dadurch wurde das, was er bereits wusste, wirklich lebendig.

Offenbar war das auch Hananias bewusst, dass Paulus hier eine radikale Umkehr erlebt hat. Denn obwohl Hananias ja wusste, wer dieser Paulus ist, ging er nicht nur auf den Befehl Gottes zu ihm hin, sondern er war auch bereit, Paulus gleich zu taufen. Auch Hananias hat nicht darauf gewartet, dass Paulus seine Umkehr noch irgendwie «bewiesen» hätte. Er sagte nicht: «Lieber Paulus, schön, dass du dich nun bekehrt hast. Aber mit der Taufe warten wir besser noch ein bisschen. Wir wollen zuerst schauen, ob du es auch wirklich ernst meinst.»

Hananias war bereit Paulus gleich zu taufen. Damit hat es sich auch vor den anderen Christen exponiert. Wenn er Paulus tauft, dann bedeutet das, dass er ihm vertraut. Damit hat Hananias echt Mut bewiesen. Und ich denke, damit hat Hananias dem Paulus auch die Türe geöffnet in die Versammlung der anderen Christen. Die waren zwar zuerst skeptisch. Aber Paulus konnte sie doch überzeugen. So gut, dass es irgendwann den Juden in Damaskus zu viel wurde und sie Paulus umbringen wollten, so dass Paulus nach Jerusalem flüchten musste. 

Hier entsteht dann beim Lesen der Apostelgeschichte manchmal der Eindruck, dass Paulus dann gleich «durchgestartet» ist. Aber das stimmt so nicht. Aus seinen Briefen wissen wir, dass Paulus drei Jahre in Damaskus war, bevor er dann zuerst nach Jerusalem und von dort nach Tarsus, in seine Heimatstadt, geflohen ist. 

Es ist nicht ganz einfach, zeitlich alles genau zu sortieren, da wir nicht sehr viele Angaben über Jahreszahlen zu Paulus in der Bibel finden. Aber wenn man das Leben von Paulus versucht, chronologisch zu ordnen, dann merkt man, dass zwischen seiner Bekehrung und seiner ersten Missionsreise rund zehn Jahre vergangen sind. Paulus braucht also nach seiner Bekehrung viel Zeit, bis er dann zu dem Auftrag, den Gott ihm schon bei seiner Umkehr verheissen hatte, tatsächlich ausführen konnte.

Das heisst, Paulus kannte also beides: Das sofort Handeln (z.B. sich gleich taufen zu lassen) und das Warten und sich Vorbereiten lassen (bis es an der Zeit für seinen Auftrag war). Persönlich finde ich es eine grosse Herausforderung, diese zwei Dinge voneinander zu unterscheiden! Ich wünsche uns, dass wir darin wachsen können!

Amen.

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Notizen


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