Die Liebe Gottes erleben

Datum: Sonntag, 21. Februar 2021 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Johannes 13,1-20

Der vollkommenste Beweis seiner Liebe

Der Jesus, der vom himmlischen Vater ausgegangen ist und schon bald zum Vater zurück kehren wird, der Jesus, der, der schon weiss, dass er verraten wird, der Jesus, dem der Vater bald schon alles – wirklich alles – unter die Füsse legen wird, der Jesus, der bald erhöht wird und zum Herrn über alle Herren, zum König über alle Könige wird, dieser Jesus übernimmt Sklavenarbeit. Was für ein Skandal!

Wenn wir heutzutage diese Begebenheit von der Fusswaschung lesen, dann sollten wir uns vor Augen halten, dass die Fusswaschung heute eine ganz andere Herausforderung darstellt als damals. Zur Zeit von Jesus in jener Kultur war es eine Ehre, eine angesehene Sache, die Füsse gewaschen zu bekommen. Ein guter Gastgeber sorgte dafür, dass seinen Gästen die Füsse gewaschen wurden, wenn sie von der staubigen Strasse in sein Haus kommen. 

Die grosse Provokation hier war nicht das Füssewaschen, sondern, dass Jesus selber das gemacht hat. Der Chef macht hier die Arbeit eines Sklaven. Die Jünger schämten sich nicht dafür, dass ihnen die Füsse gewaschen werden. Es protestiert deshalb vor Petrus auch keiner der Jünger. Erst Petrus interveniert und auch ihm geht es nicht ums Waschen, sondern, dass Jesus das macht. Das geht doch absolut nicht, dass Jesus, ihr Herr und Meister, ihnen die Füsse wäscht. Das stellt ja die ganze Hierarchie auf den Kopf. Das kann doch Jesus nicht machen. Wie sollen ihn da andere Menschen als Herr, als König anerkennen, wenn er solche Arbeiten verrichtet? Doch Jesus sieht das alles ganz anders. Er will seinen Jüngern seine Liebe zu ihnen zeigen. Er gibt ihnen den vollkommensten Beweis seiner Liebe. Er hätte den Jüngern an dieser Stelle auch einfach sagen können, dass er sie liebt. Einfach durch Worte. Schliesslich sind Worte ja sehr gewichtig – wer wüsste das besser, als der, der selber das lebendige Wort ist.

Doch Jesus macht hier eine Handlung, damit ihn die Jünger verstehen können. Er gibt ihnen ein Beispiel, von dem sie lernen können. Nicht nur mit Worten, sondern konkret erfahrbar. Und das ist ja nicht nur hier in dieser Situation so. Die ganze Zeit über, wo Jesus mit seinen Jüngern unterwegs ist, macht er viele zeichenhafte Handlungen. Speziell Johannes betont das in seinem Evangelium immer wieder, dass Jesus Wunder und Zeichen gemacht hat, um seine Nachfolger zu lehren, damit sie nicht nur hören konnten, sondern auch erfahren und erleben.

Und die Fusswaschung ist genauso ein zeichenhaftes Beispiel. Jesus sagt im Anschluss an die Handlung zu seinen Jüngern:

«Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.» Johannes 13,15 (NGÜ)

Doch was bedeutet das? Gerne wird in dem Zusammenhang das Stichwort «dienende Leiterschaft» verwendet. Es ist ein Beispiel dafür, dass eine gute, christliche Leitung sich dadurch auszeichnet, dass Leiter bereit sind, ihren Untergebenen zu dienen. Leitung soll das Ziel haben, dass es den Geleiteten gut geht.

Das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, wie es in der Welt sonst zugeht. Weltliche Herrscher schauen zuerst für sich, dann für sich und dann vielleicht noch für ihre unmittelbaren Günstlinge, aber vor allem für sich.

Wie anders ist da Jesus?!

Doch das Beispiel geht noch viel weiter. Es geht hier nicht nur um Leitung, es geht ganz allgemein um die vollkommene Lebenshingabe von Jesus. Was er tut, das ist, dass er uns Menschen dient. Hier als Beispiel in der Fusswaschung und schon wenig später auf unüberbietbare Weise, indem er sein Leben hingibt für uns, um so an unserer Stelle über Leiden, Sünde, Not und den Tod zu siegen.

Doch wenn sogar Jesus, den wir zurecht Herr und Meister nennen, sich nicht zu schade war, uns Menschen zu dienen, wie viel mehr sollen wir Menschen uns dann nicht zu schade sein, einander zu dienen. 

Petrus wehrt sich dagegen

Doch Petrus wehrt sich gegen den Dienst von Jesus. Ihm ist wohl bewusst, was es bedeutet, dass Jesus sein Leben voll und ganz einsetzt für seine Jünger. Und vermutlich fällt es Petrus gerade deswegen schwer, sich so dienen zu lassen. Es fällt ihm schwer, dass Jesus, der Herr und König, der Messias, sich wegen ihm so tief herablässt. Doch Jesus sagt ihm, dass er es später verstehen wird. Jesus weiss schon, was Petrus noch nicht weiss, nämlich dass Petrus tief fallen wird. Petrus wird Jesus verraten. Nicht so wie Judas, von dem im Text auch die Rede ist. Nicht aus den selben Motiven. Aber auch Petrus wird Jesus verraten. Und genau dann wird e erkennen, wie sehr er den Dienst von Jesus nötig hat.

Darum reagiert Jesus sehr deutlich und besteht darauf, dass genau dieser Dienst, dieses Niederbeugen von Jesus nötig ist für Petrus. Akzeptiert Petrus die dienende Liebe von Jesu nicht, so verliert er Jesus.

Auch für uns gilt deshalb: Wer sich nicht bewusst ist, wie tief sich Jesus herabgelassen hat, um ihm zu dienen, der wird allzu schnell überheblich.

Ich habe neulich ein Interview auf jesus.de mit Peter Strauch gelesen, dem Lieder-Dichter, Autor und ehemaligen Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz, der unter anderem so bekannte Lieder geschrieben hat wie: «Meine Zeit steht in deinen Händen» oder «Jesus, wir sehen auf dich». Er war eine längere Zeit auch Gemeindeberater in der FeG in Deutschland und hat in dieser Funktion sehr viele Gemeinden in Konfliktsituationen besucht. Beratung in traditionellen Gemeinden empfand er als ein hartes Brot. «Je älter die Gemeinden waren, desto problematischer wurde es», erinnert er sich. Es habe während dieser Zeit nur wenige positive Erlebnisse gegeben, in denen sich «etwas gelöst» habe. Seine eigene Deutung dazu: «Zu viele Christen schauen danach, was der andere macht, anstatt zu fragen: ‚Was kann ich selber geben – an Liebe, an Investment?‘ – das macht es so brüchig!»

Etwas ganz ähnliches hat ein christlicher Psychiater geschrieben in seinem Buch, das ich neulich gelesen habe. Er schreibt, dass aus seiner Sicht Christen zu oft über andere richten. Doch das Richten steht uns nicht zu, das ist die Aufgabe von Gott. Er kann wirklich beurteilen, was gut und was böse ist. Doch die erste Sünde von uns Menschen ist, dass wir sein wollen wie Gott und selber richten wollen zwischen gut und böse (vgl. 1.Mo 3,5)!

Petrus hat schon «gebadet»

Jesus sagt zu Petrus: «Wer ein Bad genommen hat, ist ganz rein; er braucht sich später nur noch die Füsse zu waschen.» Johannes 13,10 (NGÜ) Das heisst, Petrus ist schon in der heilsamen Gemeinschaft mit Jesus. Vielleicht ist das Bild vom Bad auch eine Anspielung auf die Taufe. Aber auf jeden Fall ist Petrus durch die Gemeinschaft mit Jesus schon rein. Allerdings gilt auch für Petrus, dass er, obwohl er als Nachfolger von Jesus grundsätzlich auf dem richtigen Weg ist, trotzdem immer mal wieder stolpern kann. Wenige Tage später wird ihm ja genau das passieren. 

Das selbe gilt auch für uns: Als Gläubige und Getaufte sind wir in Gemeinschaft mit Jesus. Und trotzdem haben auch wir immer wieder den Dienst von Jesus, seine Hingabe an uns und seine Vergebung nötig!

Einen traurigen Hinweis macht Jesus an der Stelle: Nicht alle, die sich zu den Jüngern Jesu zählen sind tatsächlich rein. Ganz offensichtlich kann man auch nur so tun, als ob. Doch einzig Jesus erkennt das – die anderen Jüngern erkennen es nicht. Es steht ihnen aber auch kein Urteil zu!

Gabe und Aufgabe

Die Jünger empfangen von Jesus Gnade. Aber genau das sollen sie untereinander auch weitergeben. Sie sollen nun einander helfen, in dieser Gnade zu bleiben. Jesus ist der Herr und Lehrer der Nachfolger von Jesus und nicht die Jünger einander. Der Dienst, die Gnade von Jesus, das ist die Gabe, welche die Nachfolger bekommen. Zugleich ist das auch ihre Aufgabe.

Nachfolger von Jesus hören auf echte Nachfolger zu sein, wo sie sich zu schade sind zum Dienst an den anderen! Und genauso hört Kirche auf Kirche zu sein, wenn sie sich zu schade ist, sich für die anderen einzusetzen.

Jünger aufnehmen

Jesus ist wieder zurückgekehrt zum himmlischen Vater, in den Himmel, also in den Bereich Gottes, der für uns Menschen nicht zugänglich ist. Somit können wir Jesus nicht mehr leiblich sehen, ihn nicht mehr aufnehmen, fragen, berühren, …

Jesus konnte sagen: «Wer mich sieht, der sieht den Vater» (Johannes 14,9). Und: «Wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.» (Johannes 13,20) Doch warum konnte Jesus das sagen? Ganz einfach: Weil der Vater in Jesus gegenwärtig war (Johannes 10,38). Jesus war jederzeit durch den heiligen Geist mit dem Vater verbunden.

So ist nun Jesus durch den Heiligen Geist in uns gegenwärtig. Und deshalb, weil er in jedem Gläubigen gegenwärtig ist, deshalb nimmt jeder, der einen Gläubigen aufnimmt auch Jesus auf. 

Dadurch wird die ganze Sache sehr praktisch und erfahrbar. Wir können die Liebe von Jesus nicht einfach nur durch sein Wort hören. Das ist ein wichtiger und guter Teil. Aber wir können die Liebe von Jesus auch ganz praktisch erleben und zwar durch andere Nachfolger von Jesus, in denen Jesus gegenwärtig ist.

Jesus hat seinen Jüngern ein anschauliches, praktisches, erlebbares Beispiel in der Fusswaschung gegeben. Und genauso können wir einander anschaulich, praktisch Gottes Liebe weitergeben. 

Amen.

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