Blutbad im Tempel und andere Katastrophen

Datum: Sonntag, 20. Februar 2022 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Lukas 13,1-9

Katastrophen

Einige Menschen kommen zu Jesus und erzählen ihm von einem Blutbad im Tempel in Jerusalem, welches Pontius Pilatus hat anrichten lassen. Offenbar war eine Gruppe von Männern aus Galiläa gerade im Tempel gewesen, um ihre Opfer zu bringen, als Pilatus sie umbringen liess. Die Menschen, die nun zu Jesus kommen und ihm das erzählen, die haben offenbar Hintergedanken. In anderen, ähnlichen Situationen sagt Jesus sehr direkt: Ich kenne eure Gedanken. Das sagt Jesus hier nicht. Aber an seiner Antwort sieht man, dass er sie durchschaut. Sie wollen offenbar hören, dass jene Opfer «selber schuld» sind, dass sie besonders schlimme Sünder waren und dass sie es deshalb «verdient» haben, zu sterben.
Doch Jesus verneint das klar und deutlich. Er lässt diesen Rückschluss nicht zu. Auch an anderer Stelle (vgl. Joh 9,2-3) verneint Jesus einen direkten Zusammenhang zwischen Unglück oder Krankheit und persönlicher Sünde.
Sicher, wir Menschen leben in einer gefallenen Schöpfung. Seit dem Sündenfall stehen wir alle unter der Sünde. Oder wie Paulus es sagt:

«Alle haben gesündigt, und in ihrem Leben kommt Gottes Herrlichkeit nicht mehr zum Ausdruck» Römer 3,23 (NGÜ)

Und die Folge davon ist tatsächlich der Tod (vgl. Römer 6,23). Soweit stimmt es schon. Aber es ist eben nicht so, dass diesen Männern das Unglück widerfahren ist, weil sie besonders schlimme Sünder gewesen wären. Warum jene Männer im Tempel ums Leben gekommen sind, diese Frage beantwortet Jesus nicht. Das bleibt offen. Was Jesus dagegen abwehrt, das ist dieses typisch menschliche Denken: Die anderen, die sind viel schlimmer als ich, im Vergleich zu denen stehe ich ja direkt gut da. Da, diese Galiläer im Tempel, die waren besonders schlimm. Ein Glück, bin ich nicht so wie die.
Doch Jesus antwortet unmissverständlich: So geht das nicht! «Meint ihr, diese Leute seien grössere Sünder gewesen als alle übrigen Galiläer?» Nein, ich sage euch, so ist es nicht. Auch jene 18 Menschen, die bei einer anderen Katastrophe umgekommen sind, als der Turm beim Teich Siloah umgefallen ist und sie unter sich begraben hat, die waren nicht sündiger als die anderen Bewohner von Jerusalem. Mit anderen Worten: Ihr seid genauso sündig wie diejenigen, die ums Leben kamen.

Die wahre Katastrophe

Und dann weist Jesus auf die eigentliche, die wahre Katastrophe hin: Wer nicht bereit ist umzukehren zu Gott, der wird umkommen. Mit «umkommen» meint Jesus nicht einfach sterben – weil soviel ist seinen Zuhörern ja klar, dass sie alle irgendwann mal sterben müssen. Nein, Jesus mein mit «umkommen» ein getrennt von Gott sein, ein endgültiges verloren gehen, für alle Ewigkeit. Das ist die wirkliche Katastrophe, dass es Menschen gibt, die nicht bereit sind umzukehren. Vielleicht gerade weil sie das Gefühl haben, dass sie nicht so schlimm seien wie jene andere, die Hingerichtet oder vom Turm Erschlagen wurden.
Stattdessen sollen sie umkehren. Das griechische Wort «metanoia» hat eine umfassende Bedeutung: Den Sinn ändern, das Leben oder das Verhalten ändern, Busse tun, eben umkehren oder sich bekehren. Im Wort drin steckt der Verstand, das Denken. Es bedeutet somit, das ein Mensch sein Denken verändert oder verändern lässt, so dass es dann Konsequenzen für sein Leben, seinen Alltag hat. Also nicht einfach einem neuen Gedanken nachsinnen und darüber philosophieren. Sondern das eigene Denken so in andere Bahnen lenken, dass sich das Leben verändert.
Diese Umkehr illustriert Jesus mit einem Gleichnis.

Nichts als Feigenblätter

Die Enttäuschung beim Weinbergbesitzer ist gross! Er kommt und findet nichts als Feigenblätter. Dabei ist ein Feigenbaum in Israel ein Symbol für Fülle und Segen, Wohlstand und Frieden – ähnlich wie der Olivenbaum und der Weinstock. Der Feigenbaum ist auch ein Symbol für Israel selbst.
Wir haben im Garten auch einen Feigenbaum. Und der hat zweimal im Jahr Früchte,. Allerdings ist es hier bei uns eher zu kühl und meist werden die Feigen dann nicht richtig reif.
Ganz anders im Nahen Osten, dort findet man fast das ganze Jahr über Früchte am Feigenbaum. Ich habe gelesen, dass der Baum im Winter und Frühling sogenannte Winterfeigen trägt, die schon im letzten Herbst zu wachsen begonnen hatten. Im Frühsommer kann man dann die Frühfeigen ernten, danach dann die Sommer- und die Spätfeigen, letztere zum Teil bis in den Dezember hinein. Es kommt offenbar fast nicht vor, dass ein gesunder Baum mit genügend Laub keine Feigen trägt.
Darum ist es für den Weinbergbesitzer so überraschend, dass der keine Früchte am Feigenbaum findet. Und das nicht zum ersten Mal, sondern es ist schon das dritte Jahr in Folge, wo er nur Laub findet. Aber Laub allein, das bringt doch nichts – auch wenn Feigenblätter durchaus schön aussehen.
Die Feigenblätter sind ja in einer anderen biblischen Geschichte zum Symbol geworden. Adam und Eva haben gesündigt. Dadurch wurde ihnen bewusst, dass sie nackt waren und sie schämten sich. Und so wollten sie ihre Scham mit einem Feigenblatt verdecken. Hinter einem Feigenblatt wollten sie verstecken, dass sie sich nicht an die Anweisungen von Gott gehalten hatten. Aber das war natürlich völlig sinnlos.
Und so ist das Feigenblatt sprichwörtlich geworden, wenn jemand Sünden oder Schuld vertuschen will, auch wenn es völlig sinnlos ist, weil jeder weiss, was sich hinter dem Feigenblatt verbirgt.
Kein Mensch pflanzt einen Feigenbaum wegen der Blätter. Und so ist die logische Konsequenz, dass der Weinbergbesitzer dem Weingärtner den Befehl gibt: Hau den Baum heraus – das heisst mitsamt den Wurzeln – damit er nicht länger dem Boden Nährstoffe und Wasser entzieht ohne etwas zu nützen.

Früchte

Denn was der Besitzer will, das sind Früchte. Ein Feigenbaum ist dazu da, dass er Früchte hervorbringt. An einer anderen Stelle verflucht Jesus einen Feigenbaum, weil der keine Früchte hat (vgl. Mk 11,12–14).
Doch der Weingärtner hat Erbarmen mit dem Baum. Er will es nochmals versuchen. Er will den Boden um den Stamm lockern und dann will er den Baum düngen. Das ist – für die Zeit damals – eine ungewöhnliche Behandlung bei einem Feigenbaum. Da musste man normalerweise nicht den Boden drum herum bearbeiten und düngen. Aber der Weingärtner will es mit viel Mühe und Liebe nochmals versuchen – dem Baum nochmals eine Chance geben. Denn er hat Hoffnung und er ist bereit, selber etwas zu unternehmen. Erst wenn auch das alles nichts bringt, erst dann soll der Baum ausgehauen werden.
In diesem Gleichnis steht der Weingutsbesitzer symbolisch für Gott, den Vater. Ihm gehört der Feigenbaum und auch der ganze Weingarten. Der Weingärtner steht für Jesus. Er bemüht sich mit ganzer Kraft darum, dass der Baum nicht nur Blätter hervorbringt, sondern vor allem auch Früchte. Und der Feigenbaum steht für das Volk Israel, für die Jünger und letztlich alle Nachfolger von Jesus – bis heute.
Nun kann ein Feigenbaum ja nicht «umkehren», aber sein Besitzer darf von ihm erwarten, dass der Früchte bringt. Tut er das nicht – und das ist die drastische Warnung in diesem Gleichnis – so wird er umgehauen.

Was bedeutet das für uns heute?

Zunächst einmal ist es so, dass Katastrophen bis heute geschehen. Sowohl solche, die durch Menschen verursacht werden, wie das Blutbad im Tempel, also auch solche, die nicht unmittelbar durch Menschen verursacht werden, wie der Einsturz des Turms.
Oft haben wir dabei keine Antwort auf die Frage nach dem Warum. Jesus mutet uns zu, ohne Antwort auf diese Fragen zu leben. Deshalb sollten wir uns – besonders wenn wir selber nicht direkt betroffen sind – davor hüten falsche Urteile zu fällen! Schon gar nicht sollen wir auf andere hinabschauen um uns dadurch irgendwie besser zu fühlen.
Vor allem anderen aber sollten wir uns bewusst sein, was die allergröste grösste Katastrophe im Leben ist – nicht umzukehren zu Gott.
Und auch das betrifft zuerst uns selber. Vielleicht hast du diesen Schritt noch gar nie ganz bewusst gemacht, dass du dich entschieden hast, dass du zu Jesus gehören willst und dass du deshalb umkehren und dich von ihm verändern lassen willst. Dann lade ich dich dazu ein, genau das zu tun.
Vielleicht hast du das schon längst getan, vielleicht vor vielen Jahren schon. Wenn du nun aber denkst, dass damit alles erledigt ist, weil du ja nun sicher bist vor der grössten Katastrophe im Leben, dann möchte ich dich einladen: Schau dein Leben an und schau ob es auch Früchte hervorbringt, oder ob da nur Feigenblätter sind. Und wenn du zum Schluss kommst, dass du gerne mehr Früchte in deinem Leben sehen möchtest, dann lade ich dich ein, lass auch du dein Denken immer wieder durch Jesus Christus erneuern!

Amen.

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