Adam und Eva
9. Februar 2020

Adam und Eva


Passage:

1 Mo 1,27

Dienstart:

Schöpfung

Ich denke, viele von euch kennen die Schöpfungsgeschichte in der Bibel. überlegt mal, in wiefern werden da Unterschiede zwischen Mann und Frau gemacht und was haben diese Unterschiede zu bedeuten? Ich möchte einigen Unterschieden nachgehen.

Der Mann wurde zuerst geschaffen

Daraus könnte man ableiten, dass der Mann ranghöher ist, weil er zuerst geschaffen wurde. Doch die Tiere wurden noch vor dem Menschen geschaffen. Sind sie deshalb ranghöher? Wollte man aus der Reihenfolge etwas schliessen, dann müsste man eher umgekehrt schliessen: Die ganze Schöpfung ist eine Steigerung, von der Erde zu den Pflanzen, den Tieren und schliesslich zum Menschen. Dann wäre wennschon die Frau die Krone der Schöpfung. Der Schöpfungsbericht zielt aber auf etwas ganz anderes ab. Der Theologe Ulrich Wendel schreibt: «In 1. Mose 2 war der zuerst geschaffene Adam nicht der Eva überlegen, sondern ohne Eva unvollständig und also ergänzungsbedürftig – darauf zielt die Schöpfungsgeschichte!»

Frau aus der «Rippe» geschaffen

Unterschiedlich beschrieben wird auch, wie Adam und wie Eva von Gott geschaffen wurden. Zunächst heisst es: «Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase.» Interessant ist hier das Wort «Adam». Es heisst schlicht «Mensch». Gott hat den Menschen geschaffen. Die Unterscheidung «Mann / Frau» bringt erst der Mensch selber ins Spiel (V23).
Das hebräische Wort für «Rippe» bedeutet auch «Seite». Vieles deutet darauf hin, dass hier nicht nur von einem kleinen Stück Knochen die Rede ist, sondern von mehr. Das könnte man so ausdrücken: Gott erschafft den Menschen. Doch der Mensch ist allein, auch unter allen Tieren findet er keine Ergänzung, die ihm entspricht. So lässt Gott den Menschen in einen tiefen Schlaf fallen (die hebräische Betonung «tief» deutet in eine Art fast schon todesähnlichen Schlaf). Er nimmt einen Teil des Menschen, eine Seite und gestaltet daraus eine Frau. Er nimmt also etwas vom ursprünglich geschaffenen Menschen weg. Die Lücke, die nun klafft, schliess Gott mit Fleisch. Der Mensch wird von Gott aus seinem tiefen Schlaf wieder auferweckt und sieht nun die Frau. Da spricht er: Das ist endlich jemand wie ich – Knochen von meinen Knochen und Fleisch von meinem Fleisch (ein Hinweis, dass es eben mehr als nur eine Rippe war). Die beiden gehören zusammen. Sie ergänzen sich. Und erst jetzt taucht zum ersten Mal der Begriff «Mann» auf (zuvor durchgängig Mensch) und zwar in einem Wortspiel «isch» und «ischa»: Man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist. Diese Unterscheidung macht jedoch der Mensch.
Dass die beiden zusammen gehören, sich ergänzen, das macht der nächste Vers deutlich: «Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein ein Fleisch.» (V24)

Die Frau als Gehilfin

Nachdem Gott den Menschen erschaffen hat, stellt Gott fest: «Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.» Und dann heisst es in der Lutherbibel weiter: «Ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.»
Gehilfin, das tönt in unseren Ohren eher schwach. Früher wurde man nach dem Theologiestudium auf St. Chrischona für die ersten Dienstjahre einem erfahrenen Pastor als «Ghülfme» also als Gehilfe zur Seite gestellt.
In der hebräischen Sprache des Alten Testamentes wird der Ausdruck «ezer kenegdo» verwendet. Das kann wie folgt übersetzt werden: ezer = «eine Helferin» kenegdo = «die ihm entspricht». Das Wort ezer wird sonst im AT oft für Gott gebraucht. Er ist der Helfer, der uns hilft (z.B. Psa. 70,6: «O Gott, eile zu mir! Mein Helfer und mein Retter bist du!») Und Gott ist mit Sicherheit kein schwacher, untergeordneter Helfer!

Das Ebenbild Gottes

Im ersten Teil des Schöpfungsberichtes heisst es:
«Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich! [...] Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.» 1. Mose 1,26-27 (ELB85)
Der Mensch in der Ergänzung von Mann und Frau ist das Ebenbild von Gott. Da ist keine Hierarchie zu finden.
Im Umkehrschluss heisst das aber auch, dass Gott weder ein Mann noch eine Frau ist. Er ist Gott und trägt in sich sowohl männliche wie auch weibliche Züge. Das sehen wir z.B. in Jesaja 66,13, wo Gott sagt: «Ich selbst werde euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet.»

Sündenfall

Manchmal wird der Sündenfall herangezogen, um zu zeigen, dass der Mann der Frau überlegen sei. Schliesslich sei ja Eva verführt worden und habe dann den Mann mit ins Verderben gezogen.
Doch wenn wir auch da genauer hinschauen, dann sieht es etwas anders aus. Dann finden wir auch da sehr viel Gleiches.
Die Ausgangslage ist, dass beide wissen, dass sie nicht von den Früchten dieses Baumes essen sollen. Offenbar stehen sie beide nebeneinander, denn sonst könnte Eva nicht von der Frucht abbeissen und sie dann gleich an Adam weitergeben. Das hiesst, dass die Schlange zwar mit Eva spricht, dass aber auch Adam hört, was sie sagt – sonst hätte Eva ja Adam erklären müssen, weshalb sie von der Frucht ass.
Somit weisen also beide die Schlange nicht zurück. Adam ist da, hört zu und schweigt.
Warum hat die Schlange Eva angesprochen und nicht Adam? Dazu sagt die Bibel nichts. War Eva grundsätzlich leichter zu verführen? Dagegen spricht, dass ja Adam dabei war. Vielleicht war Eva auch einfach kommunikativer? Denn Adam schwieg ja. Vielleicht sah die Schlange hier einfach einen möglichen Ansatzpunkt. Doch verführt von ihr wurden beide.

Und anschliessend verhalten sich auch beide gleich. Beide weisen die Schuld von sich weg auf andere. Eva auf die Schlange und Adam auf Eva.
Dass beide schuldig sind sehen wir auch daran, dass Gott beide zur Verantwortung zieht. Verflucht dagegen wird nur die Schlange. Den Menschen zeigt Gott lediglich die Strafe und ihre Konsequenzen auf, die ihr Handeln haben. Und diese Strafen und Konsequenzen sind unterschiedlich, weil Mann und Frau unterschiedlich sind.
Beim Mann ist es so, dass der Ackerboden verflucht ist und dass der Mann deswegen im Schweisse seines Angesichts dem Boden voll Disteln und Dornen sein Essen abringen muss.
Bei der Frau vermehrt Gott die Schmerzen von Schwangerschaft und Geburt. Dei Konsequenz davon: «Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein, er aber wird über dich herrschen!» über Jahrtausende hinweg wurde das als Rechtfertigung betrachtet, dass der Mann über die Frau herrschen solle. Doch es ist hier kein Gebot von Gott, dass der Mann herrschen soll. Es ist die Konsequenz aus dem Sündenfall. Gott sagt: das wird geschehen. Aber er sagt nicht: Das ist mein Wille. Sein Wille ist die liebevolle, sich ergänzende und wertschätzende Gemeinschaft von Mann und Frau. Das Herrschen des Mannes über die Frau ist nicht Gottgewollt, sondern eine Folge der Sünde.
Wie sich das dann im Laufe der Heilsgeschichte entwickelt, darauf werde ich dann in den nächsten Predigten näher eingehen.
Amen.

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Notizen

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